Missbildung als Logo

Antwerpen, Battistelli: Richard III

Opernwelt - Logo

Wo beim jüngsten Auftragswerk der Vlaamse Opera «Richard III» draufsteht, da ist tatsächlich auch «Richard III» drin. Librettist Ian Burton hat eindeutig und wiedererkennbar an Shakespeare entlang verdichtet. Bis hin zum finalen Stoßseufzer nach dem Pferd, das Richard am Ende seiner Karriere gegen sein Königreich eintauschen will. Giorgio Battistellis Musik, die Luca Pfaff dem flämischen Opernorchester mit Vehemenz ent­lockt, ist groß besetzt und kommt düster daher. Ein tragischer Finsterlingston, der manchmal selbst cineastische Pinselstriche nicht scheut.

Es ist eine Musik, die fortwäh­rend – bald skandierend, bald oratorisch – ihre eigene Bedeutung behauptet. Zwar (fast) immer auf emotionalem Erregungsniveau und ohne allzu viel differenzierende Figurencharakteristik, doch mit Entfaltungsraum für das expressive, baritonale Dauerparlando des Titelhelden.
Den rückt Scott Hendricks imponierend ins Zentrum einer Shakespeare’schen Welttheater- und Kampf-Arena. Eine Gerüstkonstruktion mit leicht zur Seite gekippten, steil ansteigenden Zuschauerreihen. Der Boden ist knöcheltief mit rotem Sand bedeckt, der dann, wenn gemeuchelt wird, wie Blut spritzt. Maskenhafte  Melonenträger in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Joachim Lange

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verflixte Größe

Richtig putzig wirkte die alte Kulisse plötzlich: ein zierliches Stück Sperrholz-Barock in neuer, hochtechnisierter Umgebung. Wenn Carl Nielsens «Maskarade», die dänische Nationaloper schlechthin, bisher im Königlichen Theater am Kongens Nytorv gespielt wurde, war die Bühne voll mit einem Halbrund aus Balkons und Türen. Nun, auf der Bühne von Kopenhagens neuem...

«Holländer», historisch

Durch Gewitter und Sturm: Die Mannen Donalds haben eine beschwerliche Reise zum schottischen Heimathafen hinter sich. Donald? Ganz richtig: Besucher des konzertanten «Fliegenden Holländers» 2004 in der ­Essener Philharmonie dürften sich zunächst ungläubig die Augen gerieben haben. Die Deutsche Welle titelte klug zur «Urfassung», dass viele Wagnerianer sich über den...

Die verkaufte Braut

Wenigstens auf den Wettbewerb würden Freiburg und Saarbrücken gewiss liebend gern verzichten – den Wettbewerb nämlich, welches der beiden Häuser dem unwürdigeren Spardruck ausgesetzt ist. Als Gaetano Donizettis «Lucia di Lammermoor» dort im Zwei-Wochen-Abstand Premiere hatte, schien das Saarländische Staatstheater vorn zu liegen. Beeindruckend, wie sich der...