Missbildung als Logo
Wo beim jüngsten Auftragswerk der Vlaamse Opera «Richard III» draufsteht, da ist tatsächlich auch «Richard III» drin. Librettist Ian Burton hat eindeutig und wiedererkennbar an Shakespeare entlang verdichtet. Bis hin zum finalen Stoßseufzer nach dem Pferd, das Richard am Ende seiner Karriere gegen sein Königreich eintauschen will. Giorgio Battistellis Musik, die Luca Pfaff dem flämischen Opernorchester mit Vehemenz entlockt, ist groß besetzt und kommt düster daher. Ein tragischer Finsterlingston, der manchmal selbst cineastische Pinselstriche nicht scheut.
Es ist eine Musik, die fortwährend – bald skandierend, bald oratorisch – ihre eigene Bedeutung behauptet. Zwar (fast) immer auf emotionalem Erregungsniveau und ohne allzu viel differenzierende Figurencharakteristik, doch mit Entfaltungsraum für das expressive, baritonale Dauerparlando des Titelhelden.
Den rückt Scott Hendricks imponierend ins Zentrum einer Shakespeare’schen Welttheater- und Kampf-Arena. Eine Gerüstkonstruktion mit leicht zur Seite gekippten, steil ansteigenden Zuschauerreihen. Der Boden ist knöcheltief mit rotem Sand bedeckt, der dann, wenn gemeuchelt wird, wie Blut spritzt. Maskenhafte Melonenträger in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nino Rota (1911-1979) war einer der fruchtbarsten und erfolgreichsten Filmkomponisten seiner Zeit. Seine Musik für zahlreiche Filme von Fellini, Visconti, Zeffirelli, Clement sowie für Coppolas «Der Pate» kann großenteils auch außerhalb der Leinwand bestehen. Doch daneben hat der Schüler von Pizzetti und Casella auch etliche Symphonien, Konzerte und Opern...
Unter den «Nachtigallen», deren Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende ging, nahm die früh an Leukämie erkrankte Mado Robin (1918-1960) eine Sonderstellung ein, da sie ein ausgesprochenes Stimmphänomen war. Sie soll angeblich das viergestrichene C erreicht haben, auf jeden Fall entfaltete ihre Stimme über dem dreigestrichenen C ihre ganze Eigenart (und das...
Man muss es nicht so drastisch formulieren wie Gerard Mortier. Der Intendant in Brüssel, Salzburg und jetzt in Paris sah sich und seine Kollegen als Täter: «Jahrelang haben wir so genannten Opernintendanten wie die Vampire frisches Lebensblut gesogen aus der Film- und Schauspielregie.» Nicht immer brachten diese Blutübertragungen den erhofften (Über-)Lebenssaft,...
