Mikroskopisch
«Wo das Teleskop zu Ende ist, fängt das Mikroskop an; welches von beiden hat die größere Perspektive?» An dieses Zitat aus Victor Hugos «Les Misérables» mag man bei Mandfred Stoys Buch «Die Wiener Staatsoper 1938-1945» denken. Wie dem auch sei: Stoys mikroskopisch sezierender Blick war überfällig, denn mit den Dämonen der mit diesem Zeitraum verbundenen Vergangenheit mochte das Haus am Ring lange Jahre nichts zu tun haben. Erst unter Ioan Holenders Direktion ab den 1990er-Jahren begann man, sich gründlich mit der Epoche auseinanderzusetzen, die als die düsterste gelten darf.
Zunächst mit dem Teleskop, das die Ereignisse heranzog und greifbar machte: durch Ausstellungen wie «Opfer, Täter, Zuschauer – 70 Jahre danach» im Jahr 2008 etwa. Dies hatte wohl auch mit einem partiell gewandelten Bewusstsein zu tun – von einer vermeintlichen Opferrolle Österreichs zur veranworteten Mittäterschaft.
Stoy bemüht das Mikroskop. Er schärft den Blick für die Fakten und listet diese aufgrund einer Vielzahl von Dokumenten der Staatsoperndirektion und der Bundes-/Staatstheaterverwaltung sachlich akribisch auf. Wobei die Schicksale der einzelnen Personen nicht hierarchisch, sondern alphabetisch ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché
Wie überlebt man mit federfeiner Stimme in einem Riesensaal wie der Pariser Bastille? Was verbindet Cellospiel mit Gesang? Warum klingt die Königin der Nacht in Frankreich anders als in Deutschland? Wer gab den Anstoß zu einer Karriere, die demnächst an die Mailänder Scala und Wiener Staatsoper führt?
Frau Devieilhe, in Deutschland sind Ihre CD-Recitals – das...
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...
JUBILARE
Mark Elder wurde 1947 im englischen Hexham geboren. Er studierte Musik in Cambridge und trat als Dirigent international erstmals 1972 an der Oper von Sydney in Erscheinung. 1974 kehrte er nach England zurück und dirigierte von da an regelmäßig an der English National Opera, deren Musikdirektor er von 1979-93 war. Seinen künstlerischen Durchbruch bescherte...
