In memoriam
Das Schlimmste, so pflegte René Kollo zu stöhnen, sei doch der erste «Tannhäuser»-Akt. Und am allerschlimmsten muss es sein, wenn drei Stunden später der finale Monolog des Titelhelden wartet, für den Wagner freilich eine (und gern genutzte) Interpretationsmöglichkeit offenhält: Man kann die «Rom-Erzählung» auch wunderbar deklamieren. Dramatik, Expressives, Entäußerung am Rande des Sprechgesangs, das funktioniert. Johan Botha freilich tut das Allerschwerste: Er singt. Ganz aus dem Lyrischen entwickelt, mit frischem Tenor, der auf kleinste Lenkmanöver reagiert.
«Italiens holde Auen» lässt er duftig und unverspannt erblühen; die Papst-Begegnung driftet nicht in die Karikatur, sondern ist die vokale Schilderung eines Duells.
Nachzuhören ist das auf einer CD, mit der eines Künstlers gedacht wird, der im vergangenen September seiner Krebserkrankung erlag. Alles bislang unveröffentlichte Live-Mitschnitte aus der Wiener Staatsoper sind dies, beginnend bei einem «Lohengrin» von 1997 unter Simone Young bis zum «Ariadne»-Finale von 2014 unter Christian Thielemann. 222-mal stand der Südafrikaner und Wahl-Wiener in 21 Rollen auf der Staatsopern-Bühne. Wagner und Strauss dominieren diese ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Markus Thiel
Alberto Ginastera, der international prominenteste Komponist Argentiniens im vergangenen Jahrhundert, war zu vielseitig, um als vermeintlich «typischer» südamerikanischer Tonsetzer mit dem klischeegerechten Aroma des rhythmisch-folkloristisch inspirierten Temperamentsmusikers wahrgenommen werden zu können. Dieser Façon entspricht am ehesten seine frühe...
Am Himmel der Salle Favart ist jetzt wieder alles möglich. Und auf den Brettern sowieso. Klar, dass Intendant Olivier Mantei und die Bühnentechnik zur Wiedereröffnung der Opéra Comique die generalüberholte Maschinerie tanzen lassen. Mit fliegenden Sängern, Seilartisten und blütenweiß schwebenden Stoffsegeln. Zwanzig Monate war das 1898 eingeweihte Haus an der Place...
Virginia Zeani (* 1925), deren Karriere über drei Jahrzehnte währte, gehörte zu den großen Primadonnen der Callas-Ära, blieb bei uns aber lange Zeit unbekannt. Im ersten Jahrzehnt ihrer Karriere war sie auf die Belcanto-Rollen Donizettis, Bellinis und Rossinis spezialisiert, daneben als Gilda und insbesondere Traviata erfolgreich. In den 60er-Jahren entwickelte sie...
