Mentalitätsstudie
In diesem Muff käme wohl jeder auf die Idee, erst einmal die Fenster öffnen zu wollen. Düster gemusterte Tapeten im Fünfziger-Jahre-Stil, ein klobiges Ehebett, dicke Vorhänge, schwache Wandlämpchen. Doch durch diese Kammer frischen Wind fegen zu lassen, ist keineswegs einfach, denn der Hausherr heißt Blaubart und weigert sich lange, den Wünschen Judiths nachzukommen.
Die Kölner Neuinszenierung von Béla Bartóks Einakter überzeugt, einiger unglücklicher Ideen zum Trotz. Blaubart, die Märchenfigur, tritt in düsterer Heinrich VIII.-Montur auf.
Ein Baum von einem Kerl, der auch so singt. Johannes Martin Kränzle, nach seinem Beckmesser-Porträt bereits im zweiten Kölner Premieren-einsatz der laufenden Spielzeit, bewältigt die Rolle glänzend, stimmlich wie darstellerisch: als rohe Autorität und als zart Liebender. Wie er sein «Das ist mein Reich» triumphal in den Saal schleudert, wie er verzweifelt fragt: «Warum willst du die Türen öffnen?», das hat Größe, das hat Aussagekraft. Kränzles kraftvolle Stimme findet stets die Balance von plastischer Diktion und eloquenter Kantilene, was zur Partie des verwundbaren Grobians wunderbar passt. Er hat eine Fähigkeit, allem Dämonischen Nachdruck zu ...
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Darauf muss man erst mal kommen. Juno, die große Abwesende, die Unsichtbare, mischt von Anfang an mit. Normalerweise regt sich die hohe Dame erst im letzten Aufzug coram publico über die erotischen Eskapaden ihres Göttergatten Jupiter auf. Bis dahin schmollt sie stumm im Off – so steht’s im «Platée»-Textbuch von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville und in den Noten...
Dass sich hinter Franz Schuberts Opernfragment «Sakontala» allerlei musikalische Preziosen verbergen, weiß man spätestens seit dem Mitschnitt der Uraufführung bei den Musiktagen Bad Urach unter Frieder Bernius. Freilich machen elf Nummern, selbst wenn sie so gelungen rekonstruiert sind wie hier von Karl Aage Rasmussen, noch keine Oper. Vielleicht hat sich deshalb...
Au diable! Hoffmanns Verwünschung am Schluss hätte sich sehr wohl auch auf die neue Produktion seiner Opéra fantastique am Opernhaus Zürich beziehen können. Denn auch die Berufung auf die von Michael Kaye und Christophe Keck erstellte Fassung aus dem Jahr 2005 bewahrte sie nicht vor der zweimaligen Intervention des Teufels. Der ließ zunächst einen Tag vor...
