Mentalitätsstudie

Köln: Poulenc: La Voix humaine / Bartók: Herzog Blaubarts Burg

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In diesem Muff käme wohl jeder auf die Idee, erst einmal die Fenster öffnen zu wollen. Düster gemusterte Tapeten im Fünfziger-Jahre-Stil, ein klobiges Ehebett, dicke Vorhänge, schwache Wandlämpchen. Doch durch diese Kammer frischen Wind fegen zu lassen, ist keineswegs einfach, denn der Hausherr heißt Blaubart und weigert sich lange, den Wünschen Judiths nachzukommen.

Die Kölner Neuinszenierung von Béla Bartóks Einakter überzeugt, einiger unglücklicher Ideen zum Trotz. Blaubart, die Märchenfigur, tritt in düsterer Heinrich VIII.-Montur auf.

Ein Baum von einem Kerl, der auch so singt. Johannes Martin Kränzle, nach seinem Beckmesser-Porträt bereits im zweiten Kölner Premieren-einsatz der laufenden Spielzeit, bewältigt die Rolle glänzend, stimmlich wie darstellerisch: als rohe Autorität und als zart Liebender. Wie er sein «Das ist mein Reich» triumphal in den Saal schleudert, wie er verzweifelt fragt: «Warum willst du die Türen öffnen?», das hat Größe, das hat Aussagekraft. Kränzles kraftvolle Stimme findet stets die Balance von plastischer Diktion und eloquenter Kantilene, was zur Partie des verwundbaren Grobians wunderbar passt. Er hat eine Fähigkeit, allem Dämonischen Nachdruck zu ...

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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Christoph Vratz

Vergriffen
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