«Verbotene Liebe» auf Indisch
Dass sich hinter Franz Schuberts Opernfragment «Sakontala» allerlei musikalische Preziosen verbergen, weiß man spätestens seit dem Mitschnitt der Uraufführung bei den Musiktagen Bad Urach unter Frieder Bernius. Freilich machen elf Nummern, selbst wenn sie so gelungen rekonstruiert sind wie hier von Karl Aage Rasmussen, noch keine Oper. Vielleicht hat sich deshalb niemand um die szenische Uraufführung bemüht – außer dem innovationsfreudigen Saarbrücker Staatstheater, das wenige Wochen nach Adams’ «Doctor Atomic» eine weitere Risikoproduktion auf die Bühne bringt.
Angesichts der fragmentarischen Struktur hätte man mit einer behutsamen, die indische Mahabharata-Sage von der Halbgöttin Sakontala plausibel vervollständigenden Interpretation gerechnet. Doch der Regie führende Saarbrücker Operndirektor Berthold Schneider macht das Gegenteil: Schuberts Musik wird zum Soundtrack für einen grellbunten Indien-Revue-abend mit selbst gebastelten Zwischentexten. Die Liebe von Sakontala zum König Duschmanta, der sie aufgrund eines Fluches nicht mehr erkennt und deshalb verstößt, wird von einem jugendlichen Trio so erläutert, als sei es für den Wochenrückblick von «Verbotene Liebe» zuständig. «Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fast nicht zu glauben: Zwei Jahrhundert-Sängerinnen feiern in diesem Frühjahr ihren 100. Geburtstag. Die Sopranistin Magda Olivero ging am 25. März voran, die Mezzosopranistin Giulietta Simionato wird am 12. Mai folgen. Zwei lebende Legenden, deren Bühnenwege sich nur selten gekreuzt haben, die sich aber in ihrem Perfektionsdrang und in ihrem künstlerischen Credo...
Wenn die Wiener Philharmoniker am Neujahrstag ihr traditionelles Walzerkonzert geben, bleibt bei Zofia Posmysz in Warschau der Fernseher aus. Während die halbe Welt am heimischen TV-Schirm der schönen blauen Donau und dem obligatorischen Kaisermarsch entgegenfiebert, kann die Journalistin und Buchautorin dem Glück im Dreivierteltakt nicht viel abgewinnen. Im...
Das Cover von Claudio Cavinas «Poppea»-Einspielung ist ein Akt posthumer Wiedergutmachung: Unter dem fett gedruckten Namen Claudio Monteverdis werden dort noch die venezianischen Komponisten Francesco Cavalli, Benedetto Ferrari und Francesco Sacrati als bislang identifizierte Miturheber des Erfolgsstücks aufgelistet, der letzte Posten in der Reihe lautet: «and...
