Menschen im Hotel
Michael Grandage, sonst eher mit Schiller-Tragödien als mit Stoffen der Gesellschaftskomödie zu größerer Bekanntheit gelangt, wirft mit seiner «Figaro»-Inszenierung eine Reihe von Fragen nach sozialem Status und Klassenzugehörigkeit auf. Die Produktion spielt in einem stilvoll-historischen Grandhotel im heutigen Andalusien, wo die Almavivas offenbar übers Wochenende abgestiegen sind.
Die spärlich ausgestattete, dafür umso ausladendere Szene von Christopher Oram vermittelt den entsprechend authentischen unpersönlichen «Hotel-Charme» und überrascht durch effektvolle Nutzung der Drehbühne. Nur: Worauf gründet sich hier die Autorität des Grafen Almaviva? Sind die zahlreichen jungen Leute auf der Szene ebenfalls Hotelgäste, oder gehören sie zum Personal?
Keine der Figuren fügt sich überzeugend in den Kontext des Stückes. Die Wirrnisse um den Ehevertrag, eigentlicher Motor des Plots, erreichen weder symbolische Bedeutungskraft noch Glaubwürdigkeit. Der Graf fährt, während die Ouvertüre verklingt, mit einem knallroten Sportschlitten auf die Bühne – einer jener fragwürdigen Effekte, die um den Beifall des Publikums buhlen, aus dramaturgischer Sicht allerdings primär destabilisierend ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Tom Sutcliffe
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