Menschen im Hotel

Glyndebourne | Festival Opera | Mozart: Le nozze di Figaro

Opernwelt - Logo

Michael Grandage, sonst eher mit Schiller-Tragödien als mit Stoffen der Gesellschaftskomödie zu größerer Bekanntheit gelangt, wirft mit seiner «Figaro»-Inszenierung eine Reihe von Fragen nach sozialem Status und Klassenzugehörigkeit auf. Die Produktion spielt in einem stilvoll-historischen Grandhotel im heutigen Andalusien, wo die Almavivas offenbar übers Wochenende abgestiegen sind.

Die spärlich ausgestattete, dafür umso ausladendere Szene von Christopher Oram vermittelt den entsprechend authentischen unpersönlichen «Hotel-Charme» und überrascht durch effektvolle Nutzung der Drehbühne. Nur: Worauf gründet sich hier die Autorität des Grafen Almaviva? Sind die zahlreichen jungen Leute auf der Szene ebenfalls Hotelgäste, oder gehören sie zum Personal?

Keine der Figuren fügt sich überzeugend in den Kontext des Stückes. Die Wirrnisse um den Ehevertrag, eigentlicher Motor des Plots, erreichen weder symbolische Bedeutungskraft noch Glaubwürdigkeit. Der Graf fährt, während die Ouvertüre verklingt, mit einem knallroten Sportschlitten auf die Bühne – einer jener fragwürdigen Effekte, die um den Beifall des Publikums buhlen, aus dramaturgischer Sicht allerdings primär destabilisierend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Tom Sutcliffe

Weitere Beiträge
Von Träumen und Alpträumen

Edgar Allan Poes bekanntestes Schauergedicht «The Raven» hat immer wieder Künstler zur Auseinandersetzung herausgefordert. Dichter wie Harry Mulisch, Filmregisseure wie Roger Corman oder Popmusiker wie Alan Parsons bedienten sich bei Poes merkwürdiger Geschichte eines Menschen, der seinen Partner verloren hat und in einer mysteriösen nächtlichen...

Tiroler Doppel

Wer sich derzeit Erl vom Eingang des Inntals nähert, den fesselt ein doppelter Blickfang. Links wie gewohnt das kühn geschwungene, weiße Passionsspielhaus, seit 1997 auch Heimat der Tiroler Festspiele und im Juli Schauplatz des neuen «Lohengrin». Rechts der flache, schnittige schwarze Bruder, der auf vorab verbreiteten Computer-Animationen aussieht wie die...

Marie Theres´Liebestod

«Der Rosenkavalier» – eine Commedia dell’Arte? Man verdrängt angesichts des Wienerischen in Hofmannsthals und Strauss‘ «Komödie für Musik» oft allzu schnell, dass es in der Tat vor allem Molière’sche Motive sind, die die Keimzellen dieses Meisterwerks ausmachen. Und dass natürlich die Figurenkonstellation bewusste Anleihen an die Typenkomödie enthält – freilich von...