Ströme des Bewusstseins

Christian Gerhaher und Gerold Huber kombinieren auf ihrer jüngsten CD erste und zweite Wiener Schule

Opernwelt - Logo

Bekanntlich leidet die Neue Musik darunter, wenn sie von Interpreten, die in der klassischen Vokalmusik nicht reüssieren konnten, als Refugium aufgesucht wird. Ohne das «über die Wiedergabe hinausgehende, selbstständige Moment der vokalen Sprache beim Interpreten ist gerade die Objektivität des Werkes nicht zu realisieren». Bestätigt wird diese Überlegung Adornos (in: «Zu einer Theorie der Musikalischen Interpretation») durch Christian Gerhahers Aufnahme von Schönbergs «Buch von den hängenden Gärten» und Bergs Altenberg-Liedern.



Es war eine sinnreiche Idee der Interpreten, die beiden wegweisenden Zyklen der Zweiten Wiener Schule mit einem Schlüsselwerk der Ersten Wiener Schule kontrastierend zu verbinden: mit Beethovens Zyklus «An die ferne Geliebte», dem ersten richtigen Liederkreis. Die entscheidenden Wechsel und Übergänge von Tonarten und Tempo, durch welche die Lieder zyklisch gebunden werden, sind den Händen des Pianisten anvertraut – an keiner Stelle so eindringlich wie beim Übergang vom dritten Lied («Leichte Segler») in das vierte («Diese Wolken»). Unter einer gehaltenen Note des Sängers – auf dem Wort «Zahl» – gilt es für den Pianisten, ein neues Tempo zu setzen. Christian ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs, Seite 24
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Menschen im Hotel

Michael Grandage, sonst eher mit Schiller-Tragödien als mit Stoffen der Gesellschaftskomödie zu größerer Bekanntheit gelangt, wirft mit seiner «Figaro»-Inszenierung eine Reihe von Fragen nach sozialem Status und Klassenzugehörigkeit auf. Die Produktion spielt in einem stilvoll-historischen Grandhotel im heutigen Andalusien, wo die Almavivas offenbar übers...

Infos

Meldungen

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ist von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben worden. Der barocke Prachtbau, der zwischen 1746 und 1750 erbaut wurde, sei eines der wichtigsten architektonischen Zeugnisse der absolutistischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert, begründete das Komitee aus 21 Mitgliedern seine Entscheidung am 30. Juni in St. Petersburg....

Geisterstunde

«Erich, nix baden – komponieren!», so sprach (laut Überlieferung durch Karl Böhm) einst während eines Urlaubsaufenthaltes am Wörthersee der gestrenge Wiener Musikkritiker Julius Korngold zu seinem noch unmündigen Sohn Erich Wolfgang. Das Resultat war die Renaissance-Tragödie «Violanta» – nach der Konversationskomödie «Der Ring des Polykrates» bereits die zweite...