Melancholie, mon amour

Adèle Charvet und Florian Caroubi verzaubern uns mit Mélodies aus der Belle Époque

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Die Nachtigall singt. Aber so leise, so zärtlich, dass hinter ihrer gedämpften Stimme die Landschaft hervortritt, das Idyll, seine vage pneumatische Suggestion. «En sourdine», heißt das Kleinod, in dem sich diese Atmosphäre einer inneren wie äußeren Gemütsruhe beschrieben sieht, und nur ein Gabriel Fauré konnte es in dieser Manier komponieren – als eine stoische, beinahe gleichermaßen subtile wie selbstgenügsame, aber den Geist weitende Innenschau mit mediterraner Anmutung.

Ein Lied wie ein Gedicht ist diese Naturbetrachtung auf Verse Verlaines, hintergründig hingehaucht, mildschön aufblühend wie ein Flieder, zart besaitet und doch konsistent genug, um der Welt auf Augenhöhe zu begegnen.

«En sourdine» ist nicht das einzige Stück auf diesem Album, das unsere Sinne mit feinem Staub betört. Aber es ist eines der anmutig-innigsten, auch weil Adèle Charvet und ihr Pianist Florian Caroubi es so wunderbar ausziseliert, zugleich nur in behutsam umrissenen Linien gestalten, wie eine Andeutung, wie eine Ahnung, fast wie ein Fragezeichen. Damit bekunden beide ein hohes Stilbewusstsein für Faurés Musik, wie sie es schon im «Chanson du pêcheur» aus den «Deux Mélodies» op. 4 (auf ein Gedicht ...

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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jürgen Otten

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