Das Leben selbst
In der ersten Pause dieses fünfstündigen Abends suchen einige Besucher das Weite. Das ist durchaus verständlich, vor allem, wenn man ganz unvorbereitet in die Aufführung geht: Eine Frau sitzt auf einem Leuchtturm und gebiert ein Kind. Und später noch eines. Davor betreten Heinzelmännchen und andere seltsame Gestalten die Bühne, singen und bewegen sich eigenwillig. Ferner gibt es eine flötende Rattenfängerin, die Teile der riesigen Kinderchöre entführen will, was ihr aber nicht recht gelingt.
Und ganz am Ende wundert sich ein kleiner Junge: «Was, das Publikum ist immer noch da?»
Willkommen im Kosmos Stockhausen, der mit dem «Montag aus Licht» eine Mischung aus Instrumentaltheater und Choroper schuf, inhaltlich vor allem Geburt und Fruchtbarkeit behandelt und seinen damaligen Lebensfrauen, der Flötistin Kathinka Pasveer und der Bassetthorn-Spielerin Suzanne Stephens, höchst Individuell-Intimes in ihre Instrumente schrieb. Wie wohl kein anderer Teil des «Licht»-Zyklus ist der «Montag» eine Hommage an Stockhausens Geliebte, aber auch an alle Frauen – und bisweilen bewusst etwas statisch.
Das Tohuwabohu um Geburten, den (eher mild) sinistren Luzifer und einen Haufen sagenhafter Figuren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Jörn Florian Fuchs
Positiv schon, dass dieser Halberstädter Wagner-Nachmittag und -Abend auch für Menschen mit weiter Anreise oder begrenztem Zeitbudget nicht zur Geduldsprobe entgleist: Nach reichlich viereinhalb Stunden ist Brünnhilde feierlich in ihrem Feuerring verschlossen, wobei die Licht- und Videotechnik noch einmal gute Figur macht. Nun kann sich jeder nach Herzenslust bei...
Der Zar taumelt aus einem pechschwarzen, mannshohen Fabergé-Ei. Die reichverzierte Schale ist aufgebrochen, im Innern befindet sich der Zarenthron. Das Zentrum der Macht erscheint so prächtig wie fragil. Allein die Präsenz, mit der Alexander Tsymbalyuk in der Titelpartie der blutigen Höhle entsteigt, wie er überhaupt mit seinem gewaltigen Bass ein grandioses...
Ich lehne Partien ab, die viel Schreien verlangen.» Ein Credo. Renato Bruson sang sie dann trotzdem, aber eben auf seine Art. Er hat all die Schurken, Sonderlinge und zwielichtigen Kerle zu sich herangeholt und ihnen andere, manchmal neue Facetten eröffnet. Auf dem Zenit seiner Karriere bildete der Italiener den Gegenentwurf zum sieben Jahre älteren Landsmann Piero...
