Meine Heimat
Orpheus, der Ursänger, erhob seine Stimme, um Tiere und Götter zu besänftigen. Und Magdalena Kožená? Fast flehentlich richtet sich ihr Blick zum Himmel über Prag. Sie selbst, so zumindest suggeriert es das Cover ihres neuen Albums, scheint über den Häusern der tschechischen Hauptstadt zu schweben, in der sich einst das Hauptquartier des Lärms befand, um die Schönheiten der landeseigenen Musik zu präsentieren.
«Czech Songs», heißt die Aufnahme mit kaum je gehörten Stücken von Bohuslav Martinů, Antonín Dvořák, Hans Krása und Gideon Klein, für die sich Magdalena Kožená ihren Ehegatten Simon Rattle ans Pult der Tschechischen Philharmonie gewünscht hat. Eine formidable Entscheidung: Solistin, Dirigent und Orchester bilden eine verschworene Einheit; was aber leuchtend über allem liegt, ist die Stimme dieser Sängerin. Und man weiß gar nicht, wo anfangen mit der Huldigung. Vielleicht am ehesten doch bei Martinů. Sein Zyklus «Nipponari» steht am Beginn. Und sogleich tut sich ein tiefer, dunkler Abgrund auf, über dem nun aber Kožená ihren lyrisch grundierten Mezzosopran ausbreitet wie eine warme Decke, mit einer Anmut und Natürlichkeit, was Timbre, Farbgebung, Phrasierung und Linienführung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Medien, Seite 25
von Jürgen Otten
Am Abend des Jahres 1837 ging an der Pariser Oper der Tenorgesang eine freundliche Allianz mit der Athletik ein. Und zwar dank Gilbert Louis Duprez als Melchthal in Rossinis «Guillaume Tell»: In der Arie «Asile héréditaire» schleuderte er ein ut de poitrine, ein aus dem Brustregister gestemmtes hohes C, in den Raum wie ein Hammerwerfer sein Gerät. Es war quasi die...
Erfindungsreich ist der Mensch, wo es darum geht, anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Unüberschaubar ist das Arsenal der dazu ersonnenen Instrumente. Einige davon, oder zumindest deren kreative Ableitungen, platziert Romeo Castellucci im strengen White Cube-Rahmen seines Amsterdamer Pasticcios. Ein Balken, um nackt rittlings darauf Stromstöße zu empfangen, ein...
Die Geschichte der Grusche Vachnadze kennt ein jedes kluges (theaterverliebtes) Kind. Bertolt Brecht hat der grusinischen Küchenmagd, die wider Willen, aber guten Herzens inmitten der Kriegswirren zur (Zieh-)Mutter wird, weil die eigentliche Mutter, eine hochmütige Gouverneursgattin, ihr Kind in der Krise sowohl aus den Augen als auch aus dem Sinn verliert, mit...
