Alleluja!

Carlo Vistoli und die Akademie für Alte Musik brillieren mit Werken von Vivaldi

Opernwelt - Logo

Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will.

Und was macht der Beklagte? Er singt verzweifelt gegen seine Verdammung an, sich seiner Mangelhaftigkeit wohl bewusst: «Quando potes me reum punire / Ipsum crimen te gerit clementem», zu Deutsch: «Da Du mich als Sünder strafen kannst, / Zeigt Dich selbst meine Schuld barmherzig.» Der Mensch, er ist in größter Not. Und wenn man Carlo Vistoli an der Seite der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung ihres Konzertmeisters Georg Kallweit mit diesem Allegro hört, gibt es eigentlich kein Halten mehr – so gestochen scharf, fast ruppig und knackig (ja, und auch perlenglänzend) sind die Koloraturen des Countertenors, so akzentuiert, plastisch, markant ist der Orchesterklang.

«Sacro furore» heißt, völlig zu Recht, das Album mit Werken Vivaldis. Und immer wieder aufs Neue ist man frappiert, wie vielfältig und wie differenziert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Medien, Seite 24
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Helau!

Selbst der liberalste Kosmopolit bezweifelt gelegentlich, dass die Kunstwerke sämtlicher Völker tatsächlich von Angehörigen sämtlicher Völker verstanden werden. Beziehungsweise angemessen interpretiert werden können. Schrieb Bruckner etwa für Burmesen? Liegen die Waiata-Gesänge der Maori auch den Gächinger Kantoristen gut in der Kehle? Und sollte man Sauerländern...

Wenn Engel singen

Wie die meisten seiner italienischen Kollegen hat Johann Adolf Hasse nicht nur Opern, sondern auch geistliche Musik in beträcht -lichem Umfang komponiert. Fast ein halbes Jahrhundert lang stand der in Italien als «divino Sassone» verehrte Komponist in Verbindung mit dem Ospedale degli Incurabuli in Venedig, einem Waisenhaus für Mädchen und junge Frauen, die in...

Zu nobel für die Bühne

Wieviel Feinheit verträgt die Kunstform Oper? Charles Gounod schrieb für «Roméo et Juliette» eine außerordentliche Musik: gelehrt in der Verwendung traditioneller polyphoner Techniken, gediegen in ihrem wohltönenden, kunstvoll ausbalancierten Stimmensatz, raffiniert in der Aufbietung aparter Klangeffekte. Vom «großen Pinsel» machte Gounod ungern einmal Gebrauch, er...