Mein Herz so weiß
Am Anfang sind da nur Blicke. Spinnenfeindliche, von gegenseitigem Hass durchtränkte Blicke. Hier die Königin von England, im jungfräulich weißen Ornat; dort die Königin von Schottland, ganz in Witwenschwarz gewandet (die wallenden, rauschenden, den Boden geräuschvoll fegenden Kostüme schuf Klaus Bruns). Um sie herum Stille und Leere: vielsagend. Denn zwischen diesen beiden Frauen wird es, das scheint bereits vor dem Paukenwirbel kein Geheimnis mehr, eine noble Verständigung, ein gegenseitiges Verzeihen kaum je geben.
Zu unüberbrückbar sind die Differenzen, zu tief die Abgründe zwischen der kühl-rationalen Protestantin und der sinnlich-passionierten Katholikin. Ihre Beziehung, was ist sie anderes als die pure Negation der Negation ...
Im Verlauf des Amsterdamer Abends werden sie sich noch häufiger begegnen, diese so unterschiedlichen Naturen. Doch Jetske Mijnssen lässt an der Nationale Opera keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Schicksalswege von Elisabeth und Maria Stuart verhängnisvoll aneinandergekettet sind. Gegensätze ziehen sich eben auch magnetisch an. Und genau darin liegt nicht nur der Reiz dieser konzentrierten, ungemein präzise gearbeiteten Inszenierung. Darin liegt ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Durchaus fantastisch
Ihre ersten Erfolge feierte sie – in Meiningen. Direkt nach dem Studium erhielt Elīna Garanča ein Festengagement am südthüringischen Staatstheater und startete von dort eine beispiellose Karriere, die sie weltweit an sämtliche große Opernhäuser geführt hat. Das Repertoire der lettischen Mezzosopranistin weist dabei eine beeindruckende Vielfalt...
Entgegen der Erwartung lässt Regisseur Julien Chavaz Alices Reise durch das Wunderland (hier könnte das Stück auch «Alices Reise durch die bunt-psychedelische Wunderwelt» heißen) im Orchestergraben neben Dirigent Jérôme Kuhn beginnen. In einem rasanten Tempo – Komponist Gerald Barry verbindet in nur knapp 60 Minuten die Schlüsselmomente beider «Alice»-Bücher...
Übermannshohe Geschenkschachteln, die auf der Drehbühne kreisen, zum Wohnzimmer mutieren, zum Badezimmer, adligen Salon, unentwirrbaren Straßengeflecht. Wenn Fadinard bloß wüsste, in welcher dieser verdammte Florentiner Hut steckt! Der Hut einer nicht allzu ehrbaren Dame, den sein Pferd gefressen hat, ausgerechnet am Morgen des ersehnten Hochzeitstags. Weshalb ihm...
