Ein Sportstück
Die Herzen lassen sich nicht betrügen, aber Augentäuschungen zeigen sich allerorten. Von der Weihnachtsmärchen- geht es zur Barocktheaterillusion, vom Zimmer eines Riesen mit gigantischer Milchtüte der Hausmarke «si!» zum Schwetzinger Schlossgarten mit dem attraktiven Bild «Das Ende der Welt» am Ende eines Laubengangs. Selbst die tristen Pfeiler einer Autobahnbrücke, auf der weit oben melancholisch der Feierabendverkehr entlangzieht, sind mit den Mitteln bemalter und reizvoll ausgeleuchteter Prospekte darzustellen.
Da hat einer in Ruhe getüftelt, und so viel Schauwert ist selten im regelmäßig bespielten Rokoko-Bau von Schwetzingen.
Auch die Ohren staunen. Die Oper «Zemira e Azor» tritt uns musikalisch als quicklebendiges Mischwesen entgegen, zwischen Barock, Mozart und Belcanto. Die Musik atmet dabei Freiheit und Individualität, als dürfte sie ohne Korsett auftreten, was zwar nicht möglich ist in einer französischen Oper des 18. Jahrhunderts. Aber André-Ernest-Modeste Grétry (1741–1813) und sein Librettist Jean-François Marmontel (1723–1799) gehen schon relativ weit in einer anmutigen und unmittelbaren Verknüpfung von Wort und Note.
Indem sie auf einen Stoff aus den lyrischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Judith von Sternburg
Nadia Boulanger, die von 1887 bis 1979 lebte, ist eine zentrale Figur der Musik der Moderne – und dennoch sowohl als Mensch wie als Künstlerin nur sehr schwer fassbar. «Sie ist die Musik in Person», sagte Paul Valéry einmal über sie und fügte hinzu: «Die Musik krönte sich für sie stets mit Intelligenz.» Von ihrem Wirken als Komponistin zeugen zahlreiche Werke aus...
Seit 70 Jahren verwandelt sich das beschauliche Bergen für zwei Wochen in einen brodelnden Schmelztiegel aus Kunst, Kultur, Musik, Theater und Tanz. Bei der Jubiläumsausgabe des Bergen International Festival stand jetzt die Sopranistin Lise Davidsen im Mittelpunkt: mit ihrem Rollendebüt als Tosca und als Artist in Residence.
Für eine konzertante Opernaufführung ist...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich weine nicht viel in der Oper, das ist abhängig vom Stück und von den Sängern. Wenn sie mit wahren Emotionen und aus ihrer tiefsten Seele singen, kann ich weinen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Auf jeden Fall in Südafrika, in meiner Heimatstadt Kroonstad oder Bloemfontein, weil es die Hauptstadt unserer Region ist.
