Mehr als eine Sängeroper

Sieghart Döhring über die Premiere von Meyerbeers «L’Africaine» am Mainfrankentheater Würzburg

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Wer ist die Hauptperson in Giacomo Meyerbeers 1865 an der Pariser Opéra posthum aufgeführter Oper: Vasco da Gama, der portugiesische Eroberer und Entdecker des Seewegs nach Indien, oder seine von ihm verlassene farbige Geliebte Sélika? Auf diese für das Verständnis des Werkes entscheidende Frage geben die textlichen und musikalischen Quellen keine eindeutige Antwort.

Zwar hatte Meyerbeer jahrelang an einer Oper gearbeitet, die von der unglücklichen Liebe einer afrikanischen Königin zu einem portugiesischen Seefahrer handelte und die den Titel «Die Afrikanerin» («L’Africaine») erhalten sollte. Dann aber kam er selbst auf die Idee, den historischen Vasco da Gama (französisch: Vasco de Gama) zum neuen Protagonisten und Titelträger seiner Oper zu machen. Damit weitete sich das Seelendrama zum Historiendrama, freilich ohne dass die Gewichtung von Privatem und Politischem dramaturgisch wie musikalisch bereits eindeutig erfolgt wäre. Dies zu bewerkstelligen hatte sich Meyerbeer für die Proben vorgenommen, jedoch starb er bereits vor deren Beginn. Der Nachwelt hat er somit ein Werk hinterlassen, das zwar vollständig komponiert, aber konzeptionell unfertig ist. Hätte Meyerbeer – wie bei ...

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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Sieghart Döhring

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