So nah war uns Violetta nie
Auch eine Gesellschaftsdame kann einsam sein. Und umgekehrt: Manche Einsame träumt sich ihre Gesellschaft zusammen – und eine Liebesgeschichte dazu. In Hannover gibt Violetta Valéry keine turbulenten Feste, nascht nicht von der Idylle des Landlebens und kehrt auch nicht in die Pariser Demimonde zurück. Hier ist sie allein zu Haus und wird es bleiben. Dafür sorgt Regisseur Benedikt von Peter, der sich wieder einmal als Meister der Dislokation beweisen will. Vor einem Jahr hatte er hier zum Saisonstart bei Luigi Nonos «Intolleranza 1960» Zuschauer und Akteure auf der Bühne enggeführt.
Jetzt will er uns «La traviata» auf sehr eigenwillige (und riskante Weise) nahe bringen.
Der Orchestergraben ist zugedeckt und Spielfläche für ein staunenswertes Solo: Nicole Chevalier als Violetta Valéry wird diesen Ort in den zweieinviertel Stunden nicht verlassen. Benedikt von Peter hat für sie sogar noch Spielszenen hinzuerfunden. Alles beginnt mit einem leise von ihr gemurmelten «This is for you»; damit endet der Abend auch. Der Tod bleibt aus. Violetta hat ihren Liebestraum noch einmal geträumt. Die Stimmen in ihrem Kopf kommen von den Rängen, der Sound vom Bühnenhintergrund, wo Gregor Bühl das ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Rainer Wagner
Der Zwangseintritt in ein Kloster war im 18. Jahrhundert das Los vieler «überzähliger» Töchter, für die ihre Familien keine Mitgift aufbringen konnten (oder wollten). Die Konvente waren voll von Frauen, die dort ohne jede geistliche Berufung ihr Leben quasi in Haft verbrachten. Der viel kritisierte Materialismus der Manon hat also eine nachvollziehbare Ursache: Er...
Man traut seinen Ohren nicht. Als hätte man nicht schon immer die selbstbewusste Kraft und radikale Originalität von Schostakowitschs Gogol-Adaption «Die Nase» (Leningrad/St. Petersburg, 1930) geschätzt, nicht schon immer registriert, um wie viel «moderner» sie ist als vieles andere, das seither seine Avantgarde-Kanten eingebüßt hat. Was Ingo Metzmacher da mit dem...
Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als anderswo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und...
