Mediterrane Impulse
Wenn jetzt ein Erdbeben käme, man wäre an einem sicheren Ort im dichtbesiedeltsten Ballungsraum Griechenlands. Das Kulturzentrum der Stavros-Niarchos-Stiftung ist mit Isolatoren vom periodisch zitternden Untergrund getrennt. Auch an sanftere Formen der Nachhaltigkeit hat der italienische Stararchitekt Renzo Piano gedacht: Im mehr als zwanzig Hektar großen Park werden die Olivenbäume und mediterranen Kräuter mit Regenwasser bewässert, für den Strom sorgt über das Solardach die griechische Sonne.
Aber drinnen in der Griechischen Nationaloper regnet es erstmal, zu Beginn von Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg». Das Bühnenbild von Leslie Travers sieht aus wie eine gigantische schwarze Welle, die schon einiges mit sich gerissen hat, Betten, Türen, Schminktische. Blaubart und seiner neuen Frau Judith bleibt darin nur ein kleines bürgerliches Zimmer, bevor auch sie die Psychodynamik hinaustreibt auf die Welle. Das Verschwinden des Zimmers hinterlässt ein schwarzes Loch – die Gruft für Blaubarts frühere Frauen von jedem Alter und Aussehen. Ein Greis und ein marschierendes Kind könnten sein Vater und sein Sohn sein, aber auch Alter Egos. Der griechische Regisseur Themelis Glynatsis ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Reportage, Seite 40
von Michael Stallknecht
In seiner dem Libretto zugrunde liegenden Schauspielversion des antiken Stoffs hat Hugo von Hofmannsthal die Gestalt der Sophokleischen Elektra in eine moderne, vom Geist der nervösen Unrast des Fin de Siècle geprägte Figur verwandelt. Das Nietzsche und Freud zusammenzwingende Psychodrama zeigt sie als traumatisierte, von einem einzigen Wunsch besessene Frau: den...
Sensibel in der Zeichnung der Figuren, subtil in der Reduzierung der Partitur auf gerade mal fünf Instrumente und spannend erzählt wie ein Krimi – so kommt diese maximal verdichtete Version von «Pelléas et Mélisande» daher. Das impressionistische Drame lyrique, das Debussy als Sohn des Fin de Siècle 1902 mit scheinbar von der Welt entfernter Entrücktheit auf den...
Der Staatsoper Berlin kann man regieseitig in Sachen Mozart für das vergangene Jahrzehnt nicht gerade ein brillantes Zeugnis ausstellen. Angefangen von einer der schwächsten Arbeiten des späten Hans Neuenfels («La finta giardiniera», 2012) – damals noch in der Ausweichspielstätte Schiller-Theater – zog sich das optische, bewegungsmäßige und konzeptuelle Unglück...
