Herumstehen auf Kreta
Der Staatsoper Berlin kann man regieseitig in Sachen Mozart für das vergangene Jahrzehnt nicht gerade ein brillantes Zeugnis ausstellen.
Angefangen von einer der schwächsten Arbeiten des späten Hans Neuenfels («La finta giardiniera», 2012) – damals noch in der Ausweichspielstätte Schiller-Theater – zog sich das optische, bewegungsmäßige und konzeptuelle Unglück hin, über Yuval Sharons «Zauberflöte» (2019) bis hin zum aussagelosen «Don Giovanni» Vincent Huguets (2022) – von dessen albern-müder «Così» (2021) und Satoshi Miyagis statischem «Mitridate» (2022) ganz zu schweigen. Nun hat David McVicar sein Glück mit Mozarts tiefschwarz verdunkelter Opera seria «Idomeneo» versucht. Und auch er tappt in die Mimikry-Falle der Staatsoper, an der sich alle Regisseure eines «Stils» bedienen, der so etwas wie «Spiel» durch klobige, übersymbolische Bühnenbilder offenbar per se unmöglich machen soll.
McVicar verortet die Geschichte von unguter (das Überleben von Idomeneos Sohn Idamante gefährdender) Prophezeiung, Kriegsfrieden durch Liebe und orakelseitig schließlich per Thronverzicht gelöste Konflikte, indem er «altes Griechentum» behauptet – und uns damit ein «Kreta» präsentiert, in dem man ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Arno Lücker
Der vielleicht bewegendste Moment ereignet sich fast nebenbei gleich am Anfang, noch bevor das komplizierte, etwas ermüdend hin- und herwogende Geschehen um Macht, Liebe, Krieg und Freundschaft im präkolumbianischen Peru und Mexiko abrollt, noch vor den Staats- und Privataktionen um den Kriegshelden Montezuma und die Inkatochter Orazia (die er begehrt) und die...
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