Und sie findet sich nicht
In seiner dem Libretto zugrunde liegenden Schauspielversion des antiken Stoffs hat Hugo von Hofmannsthal die Gestalt der Sophokleischen Elektra in eine moderne, vom Geist der nervösen Unrast des Fin de Siècle geprägte Figur verwandelt. Das Nietzsche und Freud zusammenzwingende Psychodrama zeigt sie als traumatisierte, von einem einzigen Wunsch besessene Frau: den Tod des von ihrer Mutter Klytämnestra und deren Liebhaber Aegisth ermordeten Vaters Agamemnon zu rächen. «In ihr», so Hofmannsthal, «ist die Person verloren gegangen, um sich zu retten.
Sie ist der Vater (dieser ist nur in ihr), sie ist die Mutter (mehr als diese selbst es ist), sie ist das ganze Haus – und sie findet sich nicht». Claus Guth folgt dieser psychischen Polyphonie, die auch für Strauss’ Oper gilt, in seiner Frankfurter Inszenierung aufs Wort.
Katrin Lea Tags Bühne zeigt einen schmalen, an die Rampe vorgezogenen nüchternen Raum mit drei Notausgangstüren, den ein purpurner Wandbehang abschließt – der weite Korridor eines öffentlichen Gebäudes, ob Klinik, Seniorenresidenz oder gar ein Theaterfoyer, bleibt offen. Während die fünf Mägde in der Eröffnungsszene geschäftig-verbissen als Putzbrigade agieren, sitzt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 5
von Uwe Schweikert
Andreas Homoki als einer, der aufräumt mit hergebrachten Deutungsmethoden zu Richard Wagners «Ring des Nibelungen»? Der Gedanke greift hoch, vielleicht zu hoch, abwegig ist er nicht. Je weiter der neue Zürcher «Ring» gedeiht, desto deutlicher wird, wie gut Homokis Konzept aufgeht – die Maxime nämlich, nicht eine weitere Auslegung der Tetralogie auf die Bühne zu...
Sie ist die amtierende Carmen in Herbert Fritschs knallbunter Inszenierung an der Hamburger Staatsoper: Die russische Mezzosopranistin Maria Kataeva absolviert Fritschs gnadenlose Überzeichnungen und ironische Klischeespielereien ebenso souverän wie das unvermeidliche Kastagnettengeklapper zu kreisenden Hüften. Kataeva gastiert auch an der Münchener Staatsoper und...
In dämmrigen Grüften wohnt kein Dur. Schicksalhaft verdüstert ist dort das Dasein, von Trübsal dominiert. Und so verwundert es wenig, dass Richard Strauss für den Beginn des Orchesterlieds «Frühling» die Tonarten c-Moll und as-Moll wählt. Zwischen diesen beiden Traurigkeiten zwängt sich das Alter Ego des Komponisten in der Vertonung von Hermann Hesses Gedicht...
