Animierend zurückgelockt
Komponistinnen sind zwar im kulturellen Klima der Diversität «angesagt», ihre Werke führen im Konzertsaal und auf den Opernbühnen aber nach wie vor ein Schattendasein. Rühmliche Ausnahmen: das Stadttheater Bremerhaven, das in dieser Spielzeit schwerpunktmäßig Werke von Frauen aufs Programm gesetzt hat, und das Staatstheater Darmstadt, das eine ganze Liederabend-Reihe ausschließlich Komponistinnen widmet. Wer ansonsten auf Entdeckungsstreifzügen fündig werden will, ist auf das Engagement der Phono-Industrie oder die Streamingdienste im Internet angewiesen.
Das junge Lied-Duo Franziska Heinzen/ Benjamin Mead, das im vergangenen Jahr mit einem der französischen Komponistengruppe «Les Six» gewidmeten Programm sein glänzendes Debütalbum vorlegte (siehe OW 6/2021), präsentiert jetzt auf seiner zweiten CD mit 24 Liedern von 24 Komponistinnen einen Querschnitt durch 200 Jahre weiblichen Komponierens. Wenige Namen wie Clara Schumann, Alma Mahler oder Cécile Chaminade sind bekannt, deutsche, englische und französische Komponistinnen gleichermaßen vertreten – als älteste die 1805 geborene Fanny Hensel, als jüngste die gerade 40-jährige Britin Charlotte Bray – und jedes der exemplarisch ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Wenn Sänger oder Sängerinnen in den Musiktheater-Regiestuhl wechseln, muss das nicht bedeuten, dass sie sich am «Regietheater» abarbeiten oder gar «rächen» wollen. Es kann auch produktiv neue, gleichsam aus der praktischen Arbeitsperspektive gewonnene Energien freisetzen. In diesem Sinne scheint es ein Glücksfall, dass die renommierte, durch ihr Salzburger...
Ekstatisch bricht das Trommelgewitter los. Es kündet von der Geburt des Johannes. Bald schon breitet sich – von den tiefen Streichern ausgehend, durch die Instrumentengruppen wandernd, Töne und Akkorde je nach Lage in verschiedenen Farben und Intensitäten beleuchtend – ein samtener Klangteppich aus: Paradoxon statischer Bewegung. Eine gute halbe Stunde spricht...
Anzukündigen ist die verspätete Weltpremiere einer Oper, die vermutlich kein Musikfreund bisher auch nur dem Titel nach kannte: «Der Künder» von Antal Doráti. Er zählte zu den großen Dirigenten des vergangenen Jahrhunderts (und mit über 600 Einzel-Titeln auch zu den auf Schallplatten bestdokumentierten), aber er hat auch als Komponist ein stattliches Œuvre...
