Massenpsychose

Bremerhaven: Britten: Peter Grimes

Die Seestadt wird Bremerhaven im Norden gern genannt, abfällig auch «Fishtown» – und welches Werk passte da besser ins Stadttheater als «Peter Grimes»? Eine glänzende Idee für einen überzeugenden Einstand des neuen Intendanten Ulrich Mokrusch, der den nach 16 Jahren scheidenden Peter Grisebach ablöst. Und Voraussetzung für einen Abend der aufwühlenden Töne und der suggestiven Bilder, der am Ende ein ergriffenes Publikum zurückließ. Sicher nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass der deutsch gesungene Text hilft, in das Werk einzudringen.



Regisseurin Petra Luisa Meyer setzt von Anfang an auf das Motiv «Massenpsychose», führt mit diesem Grundgedanken durch das Stück. Die Aufführung beginnt quasi konzertant; in geordneter Reihung sitzen Chor und Solisten während der Gerichtsverhandlung des Prologs, um dann, nachdem aus dem Schnürboden ihre Kostüme herabgeschwebt sind, allmählich einzutauchen ins teils graue, teils bunte Leben des englischen Fischerstädtchens, in dem sich das Schicksal des Außenseiters Peter Grimes vollziehen wird. Das von Okarina Peter und Timo Dentler entworfene minimalistische Bühnenbild arbeitet eher mit surrealen als realistischen Mitteln. Ölfässer in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
... «Ring»

Herr Steffens, Ihr «Ring»-Projekt für Halle und Ludwigshafen hat in beiden Städten nicht nur Begeisterung ausgelöst. Braucht Ludwigshafen wirklich einen eigenen «Ring», wenn nebenan in Mannheim auch einer angeboten wird? Und braucht Halle einen «Ring», wenn man Wagner auch gleich um die Ecke in Leipzig hören kann?
Mich stört dieses Zuweisungsdenken. Es kann doch...

Wohin das Denken so treibt

Ehre sei den Provisorien. Ohne die wäre vieles im Laufe der Musikgeschichte gar nicht zustande gekommen. Strawinskys «Histoire du Soldat» beispielsweise. Eine ganze Opernästhetik basierte wortwörtlich auf einer winzigen Behelfsbühne: dem «Nudelbrett» der Darmstädter Orangerie in der überaus kreativen Ära Harro Dicks vor dem Umzug ins neue Staatstheater. Begrenzung...

Blick in die (Medien-)Zukunft

Eine geläufige moderne Deutung von Puccinis «Turandot» geht so: Turandot, die «eisumgürtete Prinzessin» ist eine tief traumatisierte Frau, ihre Erzählung von der einst geschändeten Ahnin verweist auf eigene Missbrauchserfahrungen, aus ihnen speist sich ihr mörderischer Männerhass. Calaf heilt sie, indem er sich ihr bedingungslos ausliefert. Das ist ein...