Masse und Macht
Ergeben reißt ein schmalschultriger, lockenköpfiger Junge die Arme nach oben – und fällt in die Tiefe.
Ist er gestolpert? Hat er sich absichtlich hinunter in den Tod gestürzt? Oder ist er vor Erschöpfung schlicht zusammengebrochen? Und was hat sein Lehrmeister, der Fischer Peter Grimes, damit zu tun, der von den Dorfbewohnern argwöhnisch beäugt wird und in dessen Obhut schon einmal ein Kind verunglückte?
Die Stärke der Neuproduktion von Benjamin Brittens «Peter Grimes» am Staatstheater Braunschweig liegt darin, dass sie auf diese Fragen keine eindeutige Antwort gibt und so die Vieldeutigkeit des Originals treu übernimmt. Ähnlich vage bleibt das Hauptmotiv des Abends: das Meer. Bühne und Kostüm belassen es bei maritimen Anspielungen: Taue, Gummistiefel, wetterfeste Anoraks. Das konkrete Bild des Ozeans wird ausgespart, nimmt aber gerade deshalb in der Imagination des Publikums umso schärfere Formen an. Auch im Orchester ist es mit flirrenden Flöten, schwelgenden Streichern und bedrohlich brausendem Blech allgegenwärtig. Aber Achtung, hier geht es um mehr als weihevolle Naturbilder. Das Meer, das Küstenbewohner Britten kannte wie seine Westentasche, steht in «Peter Grimes» für die ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Anna Schors
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust – auf dem Cover ihres Albums «Rondos for Adriana» bringt Adriana González Fausts legendären Seufzer sinnfällig ins Bild. Mit dem Lächeln Mona Lisas posiert die 35-jährige Sopranistin mal in weißer, mal in schwarzer Robe und macht so das bianco e nero des «Canto di sbalzo» sichtbar. Ein Stil, der zu Mozarts Zeiten ungemein...
Weil hier die Männer das Wort führen, setzt die Regisseurin Elisabeth Stöppler unmittelbar einen Akzent. Zum Vorspiel zeigt sie Eva, die Tochter des megareichen Pogner, in einem schmalen White Cube als Intellektuelle: Kurzhaarfrisur, Schülerin von Hans Sachs, dem Poetik-Professor im Nebenberuf, der ihr eben ein Lied verreißt. «Fanget an! So rief der Lenz in den...
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
