Eine Frage der Unabhängigkeit
Zur Schweiz gehört, dass das Volk über alles Mögliche abstimmen kann. Warum also nicht auch einmal über den Ausgang einer Oper? Konkret fragt das Luzerner Theater sein Publikum, ob Carmen am Ende sterben soll. Aber wer stimmt heute schon für einen Femizid? Dennoch sollen sich in der besuchten Vorstellung 38 Prozent (!) für Carmens Tod ausgesprochen haben. Carmen entschwindet am Ende lebendig in den Bühnenhintergrund.
Gespielt wird aber nicht Bizets Original, sondern die Adaptation «La Tragédie de Carmen» von Marius Constant, Jean-Claude Carrière und Peter Brook, mit kleinem Orchester sowie vier Sängerinnen und Sängern. Dazu kommen zwei (von Zeit zu Zeit genutzte) Schauspielrollen. Die Regisseurin Ulrike Schwab verfolgt zwei Ansätze: Zum einen Mit-Schöpfer Peter Brooks Idee des leeren Raums, zum anderen hinterfragt sie das tradierte Klischee der Carmen als Femme fatale. Folgerichtig ist die dunkle Bühne zu Beginn leer. Da stehen nur sechs schwarzgewandete Figuren, als die Musik einsetzt. Aber nicht mit der schmissigen Ouvertüre, sondern gleich mit dem Todesmotiv aus dem dritten Akt (inklusive exquisitem Bratschensolo). Das Orchester ist hinter einem Moiré-Vorhang platziert, ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Peter König
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