Marmor, Stein und Knickhalslaute
Franz Schreker war sein eigener Librettist. So konnte er sein musikdramatisches Lebensthema noch kompakter an den Mann bringen: das Verhältnis von Traumwelt und Realwelt, das Mit- und Gegeneinander von Kunst und politischem, privat-lebensweltlichem Alltag. Seine Oper «Der Schatzgräber» entstand in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Nach der Frankfurter Uraufführung 1920 wurde das Stück zum vielgespielten Hit. Denn kaum eine andere Epoche dachte die Gleichzeitigkeit von Utopie und möglichem Zerfall so mit wie die 1920er-Jahre. Das passte offenbar.
Schließlich ist auch im «Schatzgräber» schon allein orchestral von Desillusionierung, vom Herunterreißen des Traumvorhangs die «Rede». Zum Schluss des Schreker’schen Erfolgswerkes singt der Narr (hier tatsächlich eine Hauptfigur): «Was auf Erden verwelkt in Entsagung und Gram, wird in Glück und Freuden im Himmel gedeih’n.» Das Orchester legt ein großflächiges D-Dur hin, in das sich schon so manche «Störtöne» sanft hineinschleichen. Im viertletzten Takt aber wechselt Schreker zu einem völlig klaren d-Moll. Das expliziteste Desillusionierungsmittel der Musik: der Wechsel von Dur zu Moll.
Nicht erst seit dem musikalischen Barock tönte die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Arno Lückers
Auf der extrem langgezogenen Bühne des Salzburger Festspielhauses sind allerlei Geländer montiert; zur Rechten ein wenig in modernem (oder doch georgsbekreuzten?) Rot-Weiß wegironisiert. Andere dieser Vorrichtungen, über die anfangs auch mehrheitlich hinweggestiegen werden muss, grenzen eine nachempfundene Bootseinfahrtsmöglichkeit ab. Ein bewegliches Bühnenmodul...
Fachwechsel
Seine Händel-Interpretationen sind Legende. Doch nicht nur die. Philippe Jaroussky hat zahllose Werke des Barock mit seinem ätherischen, durchdringend hellen, silbrig schimmernden Countertenor belebt. Jetzt wagt er den Gang von der Bühne ans Pult. Am Pariser Théâtre des Champs-Élysées dirigiert Jaroussky ein Bühnenwerk, dessen Titelfigur er wohl noch im...
Die Zahl der Wagner-Parodien und -Persiflagen ist Legion. Ob Zeitgenossen wie Johann Nepomuk Nestroy oder Nachgeborene wie Loriot – an den Schöpfungen des megaloman veranlagten Sachsen haben sich seit jeher die Spötter verschiedenster Genres abgearbeitet. Eine besondere Bewandtnis hat es mit der burlesken Operette «Die lustigen Nibelungen» auf sich. Zu erleben ist...
