Mal so, mal so
Es herrschte wieder Kampf um Wien zur Zeit, da dieser Beitrag geschrieben wurde. Im Oktober standen Wahlen an, und die auch durch die EU-Beitrittsverhandlungen geförderte Erinnerung an die historischen Auseinandersetzungen Wiens mit den Türken waren ein zentrales Thema. Doch was sind Parolen wie etwa «Deutsch statt Nix versteh’n» (der Freiheitlichen) gegen Johann Wilhelm Ludwig Gleims Verse? «Ich möchte wohl der Kaiser sein! Den Orient wollt ich erschüttern, die Muselmänner müssten zittern, Constantinopel wäre mein», reimte er. Allerdings vor mehr als zweihundert Jahren.
1788 hatte Österreich der Türkei einmal mehr den Krieg erklärt, und Mozart nutzte Gleims Gedicht sowie den in Hochblüte stehenden Chauvinismus zu einem «teutschen» Kriegslied (KV 539). Um die drohende Gefahr auch akustisch zu verdeutlichen, setzte er auf eine krachende Batterie von türkischen Militärinstrumenten. Und Nikolaus Harnoncourt, der solches Instrumentarium etwa schon in seiner Einspielung von «Die Entführung aus dem Serail» effektvoll zu nutzen wusste, steigert das kriegerische Klangbild mit seinem Concentus Musicus furios. Dies alles ereignet sich auf Thomas Hampsons neuer Recital-CD, kreiert in ...
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Roberto de Simone, erfahrener neapolitanischer Musik- und Theatermann, erfüllte sich einen alten Traum, indem er Paisiellos komische Oper «Socrate immaginario» aus dem Jahr 1775 im Teatro San Carlo inszenierte. Von seinem Musiklehrer Anfang der fünfziger Jahre auf die Buffa aufmerksam gemacht, ließ ihn diese spöttisch-ironische Burleske, bei der sich die...
Onegin trägt seine Sinnsuche in den Zuschauerraum, auf einen um den Orchestergraben gelegten Laufsteg. Sechsundzwanzig sei er, singt er gegen die Säule einer Parterreloge gelehnt, und das Nichtstun kotze ihn an. Ein Besucher in jener Loge fühlt sich angesprochen und zieht sich zurück ins Dunkel. Unangenehm betroffen. Nicht Onegins Schicksals wegen, sondern weil er...
Der große Aufbruch war es noch nicht. Aber das war nach zweiunddreißig am Ende nur noch quälend langen Jahren seines Vorgängers auch nicht zu erwarten. Wulf Konold, der die Ludwigsburger Festspiele seit diesem Jahr als Nachfolger des höchst widerstrebend gegangenen Wolfgang Gönnenwein leitet, beließ zunächst einmal vieles beim Alten – angesichts der kurzen...
