Männerschweinewelt
Es ist eben alles eine Frage der Wahrnehmung: Einmal prangt «Faust» auf der Titelseite, einmal «Margarethe», je nachdem, wie man das Programmheft hält. Nach der Pause gibt’s sogar ein Déjà-ecouté auf die Ohren, wenn Domonkos Héja noch einmal die Ouvertüre dirigiert – als Entrée für einen Perspektivwechsel zu Gunsten Marguerites: Jetzt ist sie dran. Am Ende wird sie mit dieser Männerschweinewelt abgerechnet und die Bühne wütend, frustriert in Richtung Parkett verlassen haben.
«Gerettet», jenes berühmte finale Wort bei Goethe und in der Gounod-Veroperung, bekommt hier eine Umdeutung und -wertung: Das besorgt Gretchen schon selbst.
Keiner muss allerdings fürchten, das am Staatstheater Augsburg nun plakativ mit dem #MeToo-Besteck herumgefuchtelt wird. Regisseur Jochen Biganzoli weiß natürlich, dass es bei Gounod und Goethe um dieses Thema geht. Doch wie er diese Tragödie einer verratenen, benutzten Frau zeigt, als kühle, schmucklose Sezierung einer Welt, in der befrackte Kerle Projektionsflächen für ihre Lüste brauchen, quasi als Vorläufer-Version von «Lulu», das ist ziemlich stark. Dafür braucht’s eigentlich keinen Frauen-Protest mit Plakaten wie «No God in my Vagina» oder «Viva la ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Markus Thiel
Wer die Schönheit sucht, wird in den Filmen dieses Künstlers nur fündig, wenn er sich auf eine lange Reise begibt, vom Licht ins Dunkel. Filme von Michael Haneke sind eine Zumutung. Sie verstören, sie sind – dafür genügt es schon, allein «Funny Games» von 1997 anzuschauen – imstande, binnen zwei Stunden jeglichen Glauben an die Menschheit verlieren zu lassen. Sie...
Eine etwa 3 x 3 Meter große Gefängniszelle. Ein sprödes Klappbett. An die Wand gekettet. Dicke Gitterstäbe zwischen den beiden Menschen. Diese beiden Menschen: Das können in Béla Bartóks 1911 komponierter, 1918 in Budapest uraufgeführter Oper «Herzog Blaubarts Burg» nur der Herzog selbst und seine ihm zugetane Judith sein. Denn mehr Bühnenpersonal gibt es hier...
Eigentlich liegt die Frage auf der Hand: Was passiert, nachdem der Vorhang gefallen ist? Wie wird Rigoletto damit umgehen, dass ihm das einzig verbliebene Glück geraubt wurde? Die famos-furiose «Rigoletto»-Inszenierung an der Oper Halle setzt hier an – im Danach. Der traurige Titelheld ist traumatisiert vom Blick in den Leichensack, vom Blick auf seine ermordete...
