Endzeitvolk: Roswitha Christina Müller (Cassandre) und Chor in Nürnberg; Foto: Theater/Ludwig Olah
Luxuslust
Musikwissenschaftler und andere Puristen dürften nach Betablockern verlangen, den geneigten Abonnenten freut’s. «Les Troyens» auf dreieinhalb Stunden inklusive Pause heruntergekürzt, das ist nicht so arg wie bei Philipp Stölzls «Rienzi»-Quickie in Berlin, aber ein im Doppelsinn einschneidender Fall in Sachen Grand Opéra. Nicht nur, dass am Staatstheater Nürnberg Ballette und manche Figuren fehlen, die ersten beiden Akte (manchmal ja als eigenes Stück gegeben) nurmehr 75 Minuten dauern: Architektur und Entwicklungslinien sind gestört.
Das kann man beklagen – oder, wenn man sich auf das Konzept von Calixto Bieito einlässt, anregend bis faszinierend finden.
Denn nicht tiefenscharfe Charakterkunst ist das Thema oder ein schlüssiges Von-A-nach-B. Das Nürnberger Best of ist eine Schlaglichtfolge, die mit Ritualhaftem, Archaischem und Symbolverliebtem arbeitet. Bieito, so unkte mancher, sei arg zahm geworden. Doch die szenische Reduktion tut der Sache gerade in einem mittelgroßen Haus wie diesem gut. Intensive, starke Bilder sind zu erleben, der Gehalt des Stücks teilt sich mit. Um Figuren eines Todesspiels geht es, um geleugnete und verdrängte Gefahren, um kollektive Gewalt und ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Markus Thiel
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