Endzeitvolk: Roswitha Christina Müller (Cassandre) und Chor in Nürnberg; Foto: Theater/Ludwig Olah
Luxuslust
Musikwissenschaftler und andere Puristen dürften nach Betablockern verlangen, den geneigten Abonnenten freut’s. «Les Troyens» auf dreieinhalb Stunden inklusive Pause heruntergekürzt, das ist nicht so arg wie bei Philipp Stölzls «Rienzi»-Quickie in Berlin, aber ein im Doppelsinn einschneidender Fall in Sachen Grand Opéra. Nicht nur, dass am Staatstheater Nürnberg Ballette und manche Figuren fehlen, die ersten beiden Akte (manchmal ja als eigenes Stück gegeben) nurmehr 75 Minuten dauern: Architektur und Entwicklungslinien sind gestört.
Das kann man beklagen – oder, wenn man sich auf das Konzept von Calixto Bieito einlässt, anregend bis faszinierend finden.
Denn nicht tiefenscharfe Charakterkunst ist das Thema oder ein schlüssiges Von-A-nach-B. Das Nürnberger Best of ist eine Schlaglichtfolge, die mit Ritualhaftem, Archaischem und Symbolverliebtem arbeitet. Bieito, so unkte mancher, sei arg zahm geworden. Doch die szenische Reduktion tut der Sache gerade in einem mittelgroßen Haus wie diesem gut. Intensive, starke Bilder sind zu erleben, der Gehalt des Stücks teilt sich mit. Um Figuren eines Todesspiels geht es, um geleugnete und verdrängte Gefahren, um kollektive Gewalt und ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Markus Thiel
«Die Zeit, die ist ein sonderbar’ Ding.» Für ihre 2001 erschienenen Lebenserinnerungen wählte Hilde Zadek diesen zentralen Satz der «Rosenkavalier»-Marschallin, ihrer Lieblingspartie, die sie in der ganzen Welt gesungen hat. «Was ist die Zeit, und warum ist sie ein sonderbar’ Ding?», fragt die Sängerin in ihrem Buch und spricht dann von den verschiedenen Phasen...
Liebe Frau Tsallagova, kennen Sie die Geschichte von Tanaïs?
Erzählen Sie sie mir!
Tanaïs war eine kaukasische Königstochter, die mit ihrem Volk am Schwarzen Meer lebte, unweit des heutigen Ossetien. Eines Tages überfiel der äthiopische König Vexeris das Land der Skythen, ließ die gesamte männliche Bevölkerung ermorden und erwählte sich Tanaïs zur Braut. Die aber...
Stéphane Lissner, Herr über die Opéra national de Paris, musste lange bangen um seine vielleicht wichtigste Premiere in dieser Saison. Die Ankündigung von Massenstreiks gegen die Reformpolitik des neuen Präsidenten Emmanuel Macron drohte das große Ereignis platzen zu lassen. Doch schließlich blieb die Opéra Bastille verschont, zogen Tausende Demonstranten eine...
