Lohn der Keuschheit
«Diabolus in musica» lautete im Sommer 2005 die Losung für das seit 1990 alljährlich in der Emilia Romagna stattfindende Ravenna Festival. Damals dirigierte Riccardo Muti eine konzertante Version von Hindemiths Einakter «Sancta Susanna», gepaart mit Beethovens Violinkonzert op. 61, der Solist war Vadim Repin. Die 23. Saison stand nun unter einem aus Hindemiths Werkkanon entlehnten Motto: «Nobilissima visione». Und sie war augenscheinlich dem in Ravenna gebürtigen Heiligen Romualdo gewidmet, der vor genau 1000 Jahren das Koster Camaldoli sowie den gleichnamigen Orden gründete.
Statt Schwefelgestank (des Diabolus) also Weihrauch allenthalben. Deutlich wurde dies schon während des «Vorspiels», Hindemiths Ballettsuite «Nobilissima visione» von 1938 in Micha van Hoeckes geschmackvoller, man könnte sagen: neo-klassischer Choreografie, die ganz dem Erbe von Altmeister Léonide Massine verpflichtet schien. Zehn junge, muskulöse Franziskanerbrüder auf Zehenspitzen, ein ungewöhnlicher Anblick – doch die Wege des Herrn sind bekanntlich unergründlich. Bemerkenswert die Solotänzer Alessio Rezza (Francesco) und Gaia Straccamore (Chiara) mit ihren akrobatischen Sprüngen und eingefrorenen Posen von ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Carlo Vitali
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