Zeitsprünge
Seit 1600 sind an die zehntausend Opern geschrieben worden – eine Riesenpartitur, die beständig wächst. Als «Gesamtoper» hat Alexander Kluge diesen Schatz einmal bezeichnet. Im Grand Théâtre du Provence ist er nun um ein weiteres Stück bereichert worden, um ein spannendes dazu: George Benjamins «Written on Skin», die (nach der kleinformatigen Rattenfänger-Kammeroper «Into the Little Hill») erste abendfüllende Bühnenarbeit des 52-jährigen Londoner Komponisten. Die Uraufführung wurde zum glanzvollen Publikumserfolg.
Eine meisterhafte Kooperationspraxis des internationalen Opernbetriebs dokumentiert die Weiterverwertung dieser Produktion: Demnächst ist sie in Amsterdam, Toulouse, London und beim Maggio Musicale in Florenz zu sehen; auch für den Münchner Opernsommer 2013 ist die Benjamin-Novität gebucht.
Das leicht eskapistische Libretto von Martin Crimp realisiert delikate Verunsicherung durch Zeitsprünge zwischen Mittelalter und Gegenwart, durch das Nebeneinander tatsächlicher und imaginierter Geschehnisse. Die Personage ist auf eine Dreierkonstellation zentriert – eine Frau zwischen einem älteren und einem ephebenhaften jungen Mann. Die Handlungsdynamik ist dem Plot der ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 15
von Hans-Klaus Jungheinrich
«‘s ist Krieg! ‘s ist leider Krieg». Zu den Klängen eines Triumphmarsches fährt der siegreiche Feldherr Ezio in einem mit Lüstern aus Kunststoff dekorierten Auto vor. Noch begrüßt ihn sein kaiserlicher Herr freundlich als Retter des Vaterlandes. Doch alsbald drohen Konflikte, denn der Kaiser begehrt dieselbe Patriziertochter, die der Feldherr bereits seit längerer...
Herr Schreier, Sie sind als Oratorien- und Liedsänger berühmt geworden. Die Oper kam erst später hinzu?
Ja, so ist es. Meine Entwicklung ging vom Dresdener Kreuzchor aus, von der Affinität zu den alten Meistern. Warum bin ich überhaupt zur Oper gekommen?! Ich werde es Ihnen sagen: Eine Gesangskarriere kann man nicht ohne Oper machen.
Fühlten Sie sich zur Oper...
Abschied
Ein Jahr vor ihrem Tod haben wir in ihrem Dresdner Intendantenbüro zusammengesessen. Es ging um die Semperoper, um Christian Thielemann, den sie gerade als Chefdirigent für die Staatskapelle gewonnen hatte, um Gott und die Welt. So war es immer, wenn man mit Ulrike Hessler sprach. Auf Kritik konnte sie auch mal dünnhäutig reagieren, aber sie war nie...
