Knistern im Nirgendwo
Teilweise wird die Bologneser Neuproduktion von Verdis «Don Carlo» (in der vieraktigen Mailänder Fassung von 1884) den hohen Erwartungen ja vollauf gerecht: zum Beispiel in Sachen Stimmqualität. Die berüchtigte Ensembleoper erfordert erstklassige Solisten in sechs Hauptrollen, am Teatro Comunale mangelt es in der Hinsicht an nichts. Und wenn Noch-Chefdirigent Michele Mariotti sich mit gewohnt erfrischendem Zugriff über die Partitur hermacht, tun es ihm die hauseigenen Klangkörper so diszipliniert wie inbrünstig nach.
Das inzwischen 39-jährige einstige Wunderkind, großgeworden im Bannkreis des Rossini Festivals seiner Heimatstadt Pesaro, scheint die Belcanto-Grenzen in Richtung Wort-Ton-Drama dehnen zu wollen: An Knotenpunkten wie Rodrigos Konfrontation mit dem König im ersten Akt («La pace è dei sepolcri»), dem Terzett von Carlo, Eboli und Rodrigo zu Beginn des zweiten Akts oder dem Marsch zum Scheiterhaufen in der Autodafé-Szene knistert die Luft. So fein wird die Dynamik abgestuft, so schmerzhaft schürfen die Dissonanzen, dass ein Zuhörer murmelt: «Klingt ja wie Mussorgsky oder Wagner.» Ein Vergleich, den übrigens einige französische Kritiker (zu Verdis Missvergnügen) schon 1867 ...
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Vom «Ende einer Ära» ist mehr oder weniger reflexhaft die Rede beim Tod einer epochalen Figur. Doch im Fall nicht weniger Musiker aus der Sowjetunion hat die Formel ihren Sinn. Brachte doch die Oktoberrevolution tatsächlich einen enormen Aufbruch in vielerlei Hinsicht; man denke nur an den Stummfilm, vor allem Eisensteins. Und in der Musik fand eine immer wieder...
Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der...
Als Peter Konwitschny vor knapp 20 Jahren in Dresden «Die Csárdásfürstin» inszenierte, war das ein großer Skandal. Bomben und Handgranaten störten mit lautem Knall eine allzu gefällige Rezeption der mitten im Ersten Weltkrieg uraufgeführten Operette. Sie explodieren auch nun wieder über den Abend verteilt in Oscar Straus’ «Der tapfere Soldat» von 1908, mit dem...
