Visionäre Cluster

Die tschechische Industriestadt Ostrava hat sich zu einem bedeutenden Zentrum für Neues Musiktheater entwickelt. Das Hauptwerk der New Opera Days 2018: ein mikrotonales Oratorium von Alois Hába

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Der tschechische Komponist Alois Hába (1893-1973) gehört zu den oft genannten künstlerischen Experimentatoren des 20. Jahrhunderts. Sein Name ist mit der Entwicklung einer eigenwilligen Mikrotonalität, einer konsequenten Viertel- und Sechsteltonmusik verbunden. Sie eröffnete ihm, etwa zeitgleich mit Alexander Skrjabin, Arnold Schönberg und Josef Matthias Hauer, einen probaten Weg zur Überwindung des Dur-Moll-Systems. Seinen bekanntesten und wohl bedeutendsten Niederschlag fand das in der Oper «Die Mutter».

Unaufgeführt blieb bis vor Kurzem das ebenfalls abendfüllende dreiaktige Bühnenwerk «Das kommende Königreich» («Prijd královstvi Tvé»), entstanden zwischen 1937 und 1942, das (nach einem eigenen Libretto des Komponisten) nichts weniger verkörpert als eine visionäre Synthese von Idealkommunismus und Anthroposophie. Hába setzte sich damit krachend zwischen alle ideologischen Stühle.

Obgleich wegen seiner «linken» Gesinnung im Realsozialismus einigermaßen wohlgelitten, konnte er mit dem politisch-religiösen Bekenntnis­oratorium (dessen Nebeneinander von Agitprop-Arbeiterchören und mystischen Allegorien wie Christus, Ahriman und Luzifer dem nüchternen Musikerfreund Hanns Eisler ...

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Opernwelt August 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Hans-Klaus Jungheinrich

Vergriffen
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