Lob der Promiskuität
«Das Schicksal hier in Bonn», schrieb Beethoven 1787, «ist mir nicht günstig» und verließ die Rheinstadt in Richtung Wien. Doch seit den Plänen für ein Beethoven-Denkmal im Todesjahr des Komponisten versucht man dort, die Dinge zu verbessern. So im Ringen um Beethovens Schmerzenskind «Fidelio», für den etwa Nikolaus Lehnhoff 1983 anstelle der Dialogtexte auf die von ihm schon zehn Jahre zuvor in Bremen genutzten Prosagedichte Hans Magnus Enzensbergers zurückgriff.
Auch in der jüngsten Produktion der Bonner Oper, der die neue kritische Edition von Helga Lühning und Robert Didion zugrunde liegt, wird auf die vorbiedermeierlichen Texte der Fassung von 1814 verzichtet. Allerdings sind deren zwei Eingangsnummern, wie in der «Leonore» von 1806, vertauscht, auch wird statt der «Fidelio»-Ouvertüre «Leonore III» gespielt.
Deren breiige Zerdehnung durch GMD Roman Kofman, vom Orchester in der Premiere durch unsaubere Töne zusätzlich befrachtet, setzt den Auftakt zu einem Abend, den man als Debakel klassifizieren muss. Kofman geht jedes Gespür für die singspielartige Geschmeidigkeit des Anfangs ab, und die dramatischen Aufgipfelungen erreicht er nur durch unartikulierte Massivität.
Günter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine...
Er ist der Mann für die tönende Zeitgeschichte, doch John Adams legt Wert darauf, keine «CNN-Opern» zu schreiben, auch wenn er schon «Nixon in China» zum Tanzen aufgefordert hat. Mit «The Death of Klinghoffer» brachte er einen Terrormord palästinensischer Extremisten an einem jüdischen US-Bürger auf die Bühne und sich selbst wegen vermeintlich antisemitischer...
Gleich am ersten Abend gibt es ein farbiges, lebendiges Kontrastprogramm: Nach dem «Don Quixote» von Richard Strauss, einigen abenteuerlich ineinanderfließenden Szenen aus dem «Rosenkavalier», mit dem die Finnische Nationaloper Helsinki in der Turun Konsert-titalo gastiert (Ritva-Liisa Korhonen singt die Marschallin, Lilli Paasikivi ist Oktavian, und Tiina...
