Wonnen des Wohllauts

Jürgen Kesting über Cecilia Bartoli und ihren Einsatz für die verbotene Oper des Settecento

Opernwelt - Logo

Der Ort war nicht gut gewählt für das, was von und für Cecilia Bartoli bei ihrem Gastspiel im Rahmen der RuhrTriennale in Bochum angekündigt war: «Un Viaggio Nel Barocco Italiano». Als Industriedenkmal mag die mit modisch-eleganter Schäbigkeit restaurierte Jahrhunderthalle einen wehmütigen Zauber ausstrahlen, aber unter ihrem hellen Glasdach konnte der dunkle Sinnenreiz barocker Musik seinen Zauber nur schwer entfalten.

Dies umso weniger, als das Konzert nach dem Schema «Musik und Lyrik» von Rezita­tions-Einlagen unterbrochen wurde: mit Gedichten von Paul Gerhard, An­dreas Gryphius, Martin Opitz, Matthias Claudius, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Hölderlin, die weder thematisch noch atmosphärisch vom Geist und der Sinnlichkeit des Katholizismus geprägt sind.
Und doch gelang es der römischen Diva dank ihrer Ausstrahlung und Virtuosität, das mit viel Prominenz durchsetzte Publikum in einen beinahe euphorischen Zustand zu versetzen. Es gibt wenige Sängerinnen, die das Publikum so leicht und vollständig in den Griff bekommen und im Singen eine joie de vivre vermitteln. Das Programm – dreizehn Arien und drei Zugaben aus Werken von Alessandro Scarlatti, Antonio Caldara und Georg ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Kesting

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mut der Verzweiflung

Alexander von Zemlinsky ist in der argentinischen Kapitale so gut wie unbekannt. Von seinen wichtigen Werken war in Buenos Aires lediglich die «Lyrische Symphonie» zu hören (1997). Die Maeterlinck-Lieder, die Quartette, das Trio – all dies harrt nach wie vor einer Aufführung. Das Gleiche galt bis vor kurzem für Zemlinskys Opern. Erst der ehemalige Colón-Intendant...

Einsamer, verwirrter Ritter

Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine...

Formidabler Kraftakt

Wohnt jedem Anfang ein Zauber inne? Mit der Wahl von Paul Hindemiths «Mathis der Maler» zum Auftakt ihrer ersten Saison an der Hamburgischen Staatsoper wollte Simone Young «ein Zeichen» setzen. Die Oper stelle die Frage «nach der Rolle des Künstlers in Politik und Gesellschaft» und danach, «welche Funktion die Kunst in einer Zeit ausübt, in der die Welt vor...