Wonnen des Wohllauts
Der Ort war nicht gut gewählt für das, was von und für Cecilia Bartoli bei ihrem Gastspiel im Rahmen der RuhrTriennale in Bochum angekündigt war: «Un Viaggio Nel Barocco Italiano». Als Industriedenkmal mag die mit modisch-eleganter Schäbigkeit restaurierte Jahrhunderthalle einen wehmütigen Zauber ausstrahlen, aber unter ihrem hellen Glasdach konnte der dunkle Sinnenreiz barocker Musik seinen Zauber nur schwer entfalten.
Dies umso weniger, als das Konzert nach dem Schema «Musik und Lyrik» von Rezitations-Einlagen unterbrochen wurde: mit Gedichten von Paul Gerhard, Andreas Gryphius, Martin Opitz, Matthias Claudius, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Hölderlin, die weder thematisch noch atmosphärisch vom Geist und der Sinnlichkeit des Katholizismus geprägt sind.
Und doch gelang es der römischen Diva dank ihrer Ausstrahlung und Virtuosität, das mit viel Prominenz durchsetzte Publikum in einen beinahe euphorischen Zustand zu versetzen. Es gibt wenige Sängerinnen, die das Publikum so leicht und vollständig in den Griff bekommen und im Singen eine joie de vivre vermitteln. Das Programm – dreizehn Arien und drei Zugaben aus Werken von Alessandro Scarlatti, Antonio Caldara und Georg ...
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