Liebeswahn, geerdet
Sie sind Meister des psychologischen Realismus. Das haben Jossi Wieler und Sergio Morabito mit vielen Arbeiten bewiesen, zuletzt mit der Uraufführung von Mark Andres spirituellem Musiktheater «wunderzaichen» (siehe OW 4/2014). So überrascht es nicht, dass sie auch ein anderes fast handlungsloses, scheinbar der Realität enthobenes Weltentsagungswerk wie «Tristan und Isolde» – Nietzsche hat es als das «eigentliche opus metaphysicum aller Kunst» bezeichnet – nicht mythisch vernebeln, gar erhöhen, sondern handfest theatralisch verorten.
Bert Neumann nahm dafür beim Puppentheater Maß. Sein Schiff, das die irische Königstochter Isolde nebst Dienerin zur Zwangsheirat nach Cornwall bringt, ist ein hölzerner, in den Pappmaché-Wogen heftig schlingernder Kahn. Zwei zusammengeschnürte Bündel, obenauf ein grotesker Kopfschmuck und ein Spinnrad sowie eine am segellosen Mast vertäute Standuhr sind die Habseligkeiten, die Isolde mit sich führt. Was die Regie hier auf engstem Raum an gestisch-mimischem Körperspiel entfaltet, schließt nicht nur die Figuren und deren Psyche auf, sondern reicht – wann je hätte man in einer «Tristan»-Aufführung gelacht? – bis zum kruden Aberwitz, etwa wenn Isolde sich ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Uwe Schweiker
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Lokaltermin Buxton: ein Städtchen in der Grafschaft Derbyshire im Nordwesten Englands, historischer Kurort im Stil der bekannteren Bäder Bath oder Cheltenham, mit zahlreichen Häusern aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert. Rühmt sich überdies seit 1979 eines Musikfestivals – sowie eines stilechten Edwardianischen Opernhauses, das 1903 von dem Theaterarchitekten...
Dass der Tonträgermarkt sich gern an Jubiläen orientiert, um für seine Produkte ein möglichst großes Maß an Aufmerksamkeit zu nutzen, ist ein altbekanntes Phänomen. Eine Lied-CD, die zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs erscheint und Werke präsentiert, die überwiegend das Thema Krieg thematisieren, ist unter den Gedenkjahresangeboten allerdings eine...
