Liebeslieder für die Ewigkeit
Der weise Augustinus hatte ein höchst ambivalentes Verhältnis zur Musik. Einerseits war sie ihm verwerflicher sinnlicher Genuss, eine nachgerade unsittliche tentatio, andererseits bekannte er, eben dieser Versuchung, dem verführerischen Reiz des Klingenden, in schwachen Augenblicken zuweilen zu erliegen. Blaise Pascal wiederum sah darin eine logique du cœur; für ihn war die liebende Haltung zum Gegenstand gleichbedeutend mit der wahren Erkenntnis dieses Gegenstandes.
«Das Herz», schlussfolgerte der französische Philosoph, «hat seine Vernunftgründe, welche die Vernunft nicht kennt». Erst die Liebe mache sehend. Sei sie profan oder heilig.
Man darf mit Recht annehmen, dass sich der gute Pascal mit dem größten Behagen zurückgelehnt hätte, wäre er in den Genuss einer Aufnahme gekommen, welches bereits qua Titel eine Hommage an die schönste Empfindung darstellt: «amor eterno», heißt es und versammelt französische, italienische und spanische Monodien, Madrigale, Villanellen und Airs de Cour von der frühesten Renaissance bis zum Barock. Und schon zum Auftakt dieses klug konzipierten Albums («Feuillages verts, naissez» aus den «Brunettes» von Marc-Antoine Charpentier) vermeint man ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 35
von Jan Verheyen
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Ach ja, das Ende. Heiß umstritten ist es bis heute, ziemlich genau 100 Jahre nach der politisch brisanten Uraufführung an der Mailänder Scala – Arturo Toscanini hatte sich für den Fall, dass Benito Mussolini im Saal sitzen und zu dessen Ehre die Hymne der Faschisten, die sogenannte «Giovinezza», gespielt werden würde, geweigert, den Abend zu dirigieren, und ging...
