Lispeln, hauchen, bellen
Am Anfang war das heilige Wort, am Ende steht das losgelassene Mundwerk: Auf diese laxe Formel könnte man die 1000-jährige Entwicklung von der einstimmigen Gregorianik zur experimentellen Avantgarde der Gegenwart bringen, die das Wort zertrümmert, seine Semantik negiert und es in seine phonetischen wie akustischen Bestandteile zerlegt. Das Singen selbst wird zu einem unbegrenzten, alle Artikulationsmöglichkeiten der Stimme einschließenden Rezitationsstrom zwischen Ton und Verstummen.
Namhafte Interpretinnen dieser exzentrischen Kunst wie Sarah Maria Sun oder Juliet Fraser darf man ohne Zögern zu den großen Sängerinnen rechnen.
Jetzt überrascht die junge französische Sopranistin Clara Barbier Serrano, Absolventin des Pariser Konservatoriums, mit ihrer Debüt-CD «Woven words» – fünf radikal minimalistischen Vokalkompositionen von Héloïse Werner, Kaija Saariaho, Martin Matalon, Rebecca Saunders und Mikel Urquiza, die die literarischen Ausgangstexte auflösen und in einen autonomen Klangteppich verweben. Dabei spezialisiert sich Barbier Serrano keineswegs auf diesen Randbereich der Moderne. Sie hat barocke und klassische Partien wie die Titelpartie von Händels «Rodelinda» oder Mozarts ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 39
von Uwe Schweikert
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen....
Entspringt es mangelnder Spielplanabsprachen zwischen den Intendanzen oder einem tieferen gesellschaftlichen Anliegen, dass derzeit Francis Poulencs Tragödie «Dialogues des Carmélites» landauf, landab, zwischen Dresden, Karlsruhe, Nancy und demnächst in Stuttgart zu sehen ist? Wollen sich auch kleinere Opernhäuser mit dem Etikett «Erstaufführung» schmücken? Oder...
Das ist ein mutiges Unterfangen für ein mittelgroßes Theater. Ulm hat es gewagt und Donizettis Tudor-Trilogie innerhalb von drei Spielzeiten auf die Bühne gebracht. Anthony Pilavachi sollte nicht nur «Anna Bolena» zum Auftakt 2024 inszenieren, sondern ursprünglich alle Königinnen-Dramen. Aus Dispositionsgründen waren nun drei verschiedene szenische Handschriften zu...
