Zu Scherben zersplittert
Ach ja, das Ende. Heiß umstritten ist es bis heute, ziemlich genau 100 Jahre nach der politisch brisanten Uraufführung an der Mailänder Scala – Arturo Toscanini hatte sich für den Fall, dass Benito Mussolini im Saal sitzen und zu dessen Ehre die Hymne der Faschisten, die sogenannte «Giovinezza», gespielt werden würde, geweigert, den Abend zu dirigieren, und ging tatsächlich als Sieger in den Graben. Damit war immerhin ein Problem gelöst, ein anderes hingegen eher nicht: Als Giacomo Puccini am 29.
November 1924 gestorben war, hatte er ein «vollendetes» Bühnenwerk hinterlassen, nur war dieses eben leider unvollendet, wie Schuberts h-Moll-Symphonie. Und vermutlich gehen all jene Experten nicht fehl, die meinen, der Komponist habe nach Liùs Selbstmord in der trübsten aller Tonarten, in es-Moll, und dem anschließenden Lamento, das mit den Worten «Liù, poesia» an den Rand des Nichts führt, schlicht nicht weitergewusst. Zwar existieren Skizzen eines ebenso opulenten wie anrührenden Liebesduetts zwischen Turandot und Calaf (Puccinis Wunsch war, der «Liebeserguss» müsse «wie ein leuchtender Meteor» erscheinen) und ebenso des finalen Auftritts der Vereinten vor dem Hofstaat und dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten
Am Anfang war das heilige Wort, am Ende steht das losgelassene Mundwerk: Auf diese laxe Formel könnte man die 1000-jährige Entwicklung von der einstimmigen Gregorianik zur experimentellen Avantgarde der Gegenwart bringen, die das Wort zertrümmert, seine Semantik negiert und es in seine phonetischen wie akustischen Bestandteile zerlegt. Das Singen selbst wird zu...
Für das stetig anwachsende Interesse an der französischen Oper des 18. Jahrhunderts gibt es zahlreiche und vielfältige Gründe. Einer der wichtigsten ist wohl das Engagement des Centre de musique baroque de Versailles, das nicht nur exzellente Editionen bisher kaum beachteter Bühnenwerke herausgibt, sondern ganz bewusst auch Aufnahmen dieser Raritäten initiiert und...
Kurz vor Hagens tödlichem Stich passiert das meist. Wenn der Held zurückblickt, von Vöglein und brünstiger Maid erzählt und dabei von wachsender Begeisterung erfüllt sein sollte. Allein: Die Stimmbänder sind kurz vor dem Ausleiern. Acht Stunden Siegfried an zwei Tagen – wer soll das packen? Wolfgang Schmidt genoss (anders als die meisten Kollegen) diese Szene der...
