Liebe und Distanz

Christian Gerhaher, Gerold Huber und Martin Walser mit der «Schönen Magelone» von Brahms

Opernwelt - Logo

Dietrich Fischer-Dieskau meinte einmal, «Die schöne Magelone» sei eigentlich der schwerste Liederzyklus. Er musste wissen, wovon er sprach, hatte er das Opus 33 von Brahms doch als Zyklus erst durchgesetzt. Was macht die «Magelone» schwer? Vor allem: Sie ist eine Herausforderung an die Physis, entspricht – was den stimmlichen Kraftaufwand betrifft – einer ausgewachsenen Opernpartie, fordert Glanz und Durchschlagskraft, Kondition, große Bögen und ein souveränes Gedächtnis. 15 Romanzen hat Brahms der 1796 erschienenen «Wundersamen Liebesgeschichte» von Ludwig Tieck entnommen.

Die Vertonung erstreckte sich über mehrere Jahre, bildet aber trotzdem ein geschlossenes Ganzes. Der junge Brahms komponiert hier mit einer Verve und Freiheit, die er sich im Bereich der Symphonik lange nicht zutraute. Im Lied war er freier, wagte draufgängerischen Schwung ebenso wie lyrische Versonnenheit. Dem Klavier wies er eine dominierende Rolle zu: Die Pranke des stolzen, großen Johannes ist hier einkomponiert. Für die «Magelone» ziehen sich selbst erfahrene Lied-Pianisten zum Üben zurück. Kein Zufall, dass Fischer-Dieskau sich dafür Swjatoslaw Richter als Verbündeten holte.

Christian Gerhaher hat sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2017
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Rätselspiel

Barockoper am Stadttheater? Eine Herausforderung. Nicht selten ein Problem. Aber es geht, wenn niemand sich bange machen lässt. Der jüngste Beweis: Händels «Julius Cäsar» in Freiburg. An einem Ort also, der Heimstatt eines weltweit aktiven Spezialensembles ist. Um das Hausorchester kümmerte sich ein in Mitteleuropa noch kaum bekannter Gastdirigent erster Güte: der...

So nah, so fern

Manchmal sieht man es erst auf den dritten Blick. Wenn Vaters schmuckes Jackett speckige Flecken bekommt, wenn Mutter nur noch Billigstfleisch beim Discounter kauft – oder  wenn das Kind nicht mit auf Klassenfahrt kann: Es strauchelt sich schnell in exakt jenem sozialen System, in dem der wahre Status getarnt sein will. Existenznot beginnt mit kleinen,...

Schleuderthron

Inszenierte Liederabende, die die Grenze zwischen Konzert und Theater aufheben, sind en vogue. Jetzt hat der vor allem für seine Heiner-Müller-Inszenierungen bekannte Regisseur Thomas Bischoff im Mannheimer Nationaltheater eine Performance mit zwei populären Orchesterliederzyklen, Hector Berlioz’ «Les nuits d’été» und Richard Wagners «Wesendonck-Liedern»,...