Liebe mit a bisserl Hindernissen

Im Wiener Museumsquartier wird Johann Strauss zum 200. Geburtstag mit seiner Operette «Waldmeister» geehrt, in einer Inszenierung vom Münchner Gärtnerplatztheater

Opernwelt - Logo

Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen. Zuhause führt sie ein strenges Regiment, zu trinken gibt es nur kalten Lindenblütentee, und mit ihrer Entdeckung des «Schwarzen Waldmeisters» will sie in die Biologiehistorie eingehen: Nein, das ist eben nicht jene «Malwine, ach Malwine», von der die höhersemestrigen Operettenfans wissen, dass sie «wie eine Biene» sei. Falsches Stück, auch wenn dort wie da grüner Tann eine Rolle spielen: Wir sind nicht im «Schwarzwaldmädel», sondern in Johann Strauss’ «Waldmeister».

Ja, so muss es gewesen sein, damals, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im legendären Bellaria-Kino in Wien Neubau. Heimatfilm! Natur, Liebe mit a bisserl Hindernissen, die natürlich überwunden werden, Verwechslungen, also viel zum Lachen, schöne Musik. Und danach alle glücklich.

«Waldmeister»: Das hat nichts mit Hoch- und Deutschmeistern zu tun und eigentlich auch nichts mit der Jagd, sondern wirklich mit der Pflanze, auch Wohlriechendes Labkraut (Galium odoratum oder Asperula odorata) genannt. Josef Ernst Köpplingers Gärtnerplatz-Neuinszenierung auf Basis einer eigenen Textfassung ist als Gastspiel im Museumsquartier die bisher gelungenste Wiederentdeckung und Neubelebung im Rahmen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Walter Weidringer

Weitere Beiträge
Raffiniert wie der Roman

Was hätte ein Komponist Umberto Eco unternommen, wenn er sein Opus «Der Name der Rose» nicht in den 1980er-Jahren als Roman, sondern heute als Musiktheater geschrieben hätte? Mit dieser Frage im Kopf begann der Komponist Francesco Filidei seine Arbeit an der Opernversion eines der größten internationalen Bucherfolge des ausgehenden 20. Jahrhunderts – übersetzt in...

Belle Époque mit nüchternem Geist

Die Komponistin», so Virginia Woolf 1929 in ihrem Essay «Ein Zimmer für sich allein», «steht heute noch da, wo zu Shakespeares Zeiten die Schauspielerin stand» – im Abseits. Und sie zitiert das Verdikt eines Kritikers: «Das Komponieren einer Frau ist wie das Laufen eines Hundes auf den Hinterbeinen. Es geht nicht besonders, doch man ist überrascht, dass es...

Seismograph des Unbewussten

Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht wieder.» Dies Bekenntnis des Romanciers Alfred Döblin aus dem Jahr 1946 fasst das Schicksal der von den Nazis 1933 ins Exil vertriebenen oder in die innere Emigration gezwungenen Juden und ihrer verfemten Werke in einem einzigen Satz zusammen. Er gilt auch für den bereits 1934 an gebrochenem Herzen gestorbenen Komponisten...