Durch sanfte Güte wonnevoll
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort das «Flehen», hier das «Klingen», trennt – und doch liegt eine ganze ungefähre Welt zwischen den Stücken der Gattung bei diesen Komponisten.
Ist Schubert der gekrönte König des Kunstliedes, wählte Brahms, vielleicht auch wissend, dass seine Dichter die Höhe des Vorgängers (wie ebenso die Robert Schumanns) in den meisten Fällen nicht erreichten, für seine Schöpfungen in dieser Gattung den «Volkston».
Im Beiheft des neuen Albums von Christian Gerhaher und Gerold Huber (die, bei aller Lichtgestalthaftigkeit des Baritons, nicht anders denn als symbiotisches Gespann zu denken sind) findet sich ein erhellender Aufsatz von Laurenz Lütteken zu diesem Thema, ein Extrakt aus seinem 2024 erschienenen Essay-Band «Lesarten und Lebenswelten». Lütteken berührt darin einen wesentlichen Punkt im Lied-Œuvre von Brahms: Für diesen ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 36
von Jürgen Otten
Nicht Welten trafen im März 2016 in München aufeinander, eher Galaxien. Mahlers «Lied von der Erde» im Nationaltheater: Das war ein Grand mit drei Buben. Drei (durchaus sympathische) Streber standen da einem gegenüber, die auch ohne Hausaufgaben das Klassenziel erreichten, weil ihnen offenbar alles in den Schoß fiel. Hier Kirill Petrenko, der penible Abschmecker,...
Während die «Poèmes pour Mi» von 1936, die Olivier Messiaen seiner ersten Ehefrau Claire Delbos widmete, in den Konzertsälen immer wieder auftauchen, hört man den zwei Jahre später vollendeten Liederzyklus «Chants de terre et de ciel» doch eher selten, obwohl dieser nicht nur inhaltlich, sondern auch in seinem Klangbild erkennbar an die «Poèmes» anknüpft....
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk...
