Zeichen der Zeit
Eine Fellmütze, aus der Büffelhörner sprießen: Dieser stumme Mann gehört nicht hierher. Jacob Chansley alias der «QAnon-Schamane» und ikonischer Teil des Mobs, der 2021 das US-Kapitol stürmte, hat sich nach Moskau verlaufen. Auch in ein anderes Zeitalter und in ein anderes System? Da kann man sich nicht ganz so sicher sein. Sagt diese Produktion, die sich einreiht in viele Vorläufer.
Opern zu Zaren-Zeiten, da setzt gern mal ein Pawlow’scher Regie-Reflex ein, nicht nur bei «Chowanschtschina» von Modest Mussorgski, auch bei Parallelstücken wie dessen «Boris Godunow»: Kaum etwas hat sich geändert am Sumpf aus Intrige, Oligarchentum, Machtbesoffenheit und Selbstbereicherung. Alles wie immer seit den nur scheinbar längst verblichenen Ären der alten Kremlherrscher (andere illustrieren das mit Stalin- oder Putin-Bildern) – nur dass die mittlerweile eine B-Besetzung im Weißen Haus provoziert haben. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika, so augenzwinkert Simon McBurney mit dem Hörnerkerl, rutschen ab ins schwarze Loch.
Früher auf der Kinoleinwand aktiv oder im Schauspiel, setzt sich der Brite immer häufiger in den Regiestuhl. Eigentlich war diese «Chowanschtschina», welch grandiose ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel, Stephan Mösch
Am 5. Juli endet eine kurze Ära – die des singenden Intendanten: An diesem Tag wird Jonas Kaufmann alias Siegmund mutmaßlich phonstark nach Papa Wälse rufen, in einem konzertanten ersten «Walküre»-Akt, um sich in Erl fortan nurmehr auf Administratives zu beschränken. Die Enttäuschung bei den eingefleischten Fans dürfte immens sein. In der Saison 2025/26 gibt es bei...
Seine letzte Regiearbeit war vielleicht seine schwierigste. Nachdem Romeo Castellucci und das Théâtre La Monnaie ihre Zusammenarbeit beendet hatten, weil man sich nicht über Budgets und/oder inhaltliche Fragen einigen konnte, sprang Pierre Audi couragiert ein und inszenierte die beiden letzten Teile von Wagners «Ring». Und wie es seiner Art, Kunst zu denken und sie...
Richard Wagner verehrte zeitlebens Daniel-François-Esprit Aubers «Muette de Portici». Das Stück war für ihn ein prägendes Jugenderlebnis, nicht nur wegen des spektakulären Sujets des neapolitanischen Lazzaroni-Aufstands von 1647 und des tragischen Scheiterns seines charismatischen Führers Masaniello, der wie ein Schatten die Konzeption von «Rienzi» begleiten wird,...
