Liebe am Rande der Zeiten

Ondřej Adámeks Musiktheater «INES» an der Oper Köln

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Ein Mann und eine Frau, die an einer Strahlenkrankheit stirbt, von fremden Stimmen besessene Figuren, eine Liebesgeschichte und die Welt nach einer Atomkatastrophe: Mit «INES» zeigen Ondřej Adámek und Katharina Schmitt ein Musiktheaterstück am Ende des Anthropozäns. Der Titel geht dabei auf die INES-Skala zurück, die zur Festlegung von Störfällen in Kernkraftwerken dient (International Nuclear and Radiological Event Scale).

«INES» nimmt den Mythos von Orpheus und Eurydike, der mit Monteverdis «L’Orfeo» den Beginn der Gattung selbst begründete, zum Ausgangspunkt und erzählt deren Geschichte nach einer nuklearen Katastrophe: O wird von einer unbändigen Trauer erfüllt; seine Geliebte E ist tot. Fortan befindet sich das Liebespaar in unterschiedlichen Welten – «Sie» in der Welt der Toten, «Er» in der Welt der Lebenden. Jeder Versuch der Kommunikation scheitert. Die Einheit von Ort und Zeit scheint aufgelöst, die Liebenden auf ewig voneinander getrennt. Denn während O sich in der linear ablaufenden Zeit der Lebenden befindet, geht E in der Zeitlosigkeit der Toten auf und muss mit ansehen, wie ihr Körper zur unbeweglichen und durchsichtigen Hülle wird.

Dieses Auftragswerk der Oper Köln ...

Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.

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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Svenja Gottsmann

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