Habe Dank!
Der Glaube, so sagt man, sei imstande, ganze Gebirgsketten zu versetzen. Der Aberglaube hingegen vermag Menschen in herbe Nöte zu stürzen, denen sie problemlos und bequem entweichen könnten, würden sie der Statistik vertrauen. Die besagt nämlich auch im Fall des berühmten Phänomens «Freitag, der Dreizehnte», dass an diesem Tag nicht mehr und auch nicht weniger Schlimmes passiert als an anderen Tagen des Jahres. Und doch ist die Zahl derjenigen, die mit diesem Datum dämonisch-diabolische Gedanken, ja, sogar Untergangsszenarien verbinden, enorm. Nur der Himmel weiß, warum.
Auch Arnold Schönberg, der große Visionär der Neuen Musik, zählte zu den Vertretern des Homo sapiens, die diesen Tag fürchteten wie der Teufel das Weihwasser. Medizinisch ausgedrückt, litt er unter Triskaidekaphobie, unter der Angst vor der Zahl 13 – was spöttische Geister mit dem Bonmot kommentierten, gerade deswegen habe er die Dodekaphonie erfunden. Tatsächlich aber wurden Schönbergs Befürchtungen bestätigt: Er starb am Freitag, den 13. Juni 1951. Und was den Zahlenmystiker posthum vermutlich kaum minder arg verstört hätte: Sein 150. Geburtstag fiel auf einen Freitag. Als wäre dies nicht genug der schlechten ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht? Einmal abgesehen davon, dass Heinrich Heine, als er diese berühmten Verse zu Papier brachte, in erster Linie an seine ferne Mutter dachte und erst in zweiter an die verlorene Heimat, steht es um dieses Land, zumindest was die Künste angeht, nicht gar so schlecht (und vor allem nicht so schlecht,...
Leonhard Franks 100 Jahre alte Erzählung «Karl und Anna» dreht sich um einen Identitätsschwindel, der so radikal ist, dass er praktisch die Realität transformiert. Karl, der in ferner Kriegsgefangenschaft von dem Mitsoldaten Richard monatelang die Geschichten über dessen Frau Anna angehört hat, ist bereits in diese verliebt, als er sich nach seiner Flucht zu ihr...
Puccinis «Madama Butterfly» in der bahnbrechenden Inszenierung des mittlerweile verstorbenen Anthony Minghella bildete 2006 den Auftakt der Amtszeit von Intendant Peter Gelb an der New Yorker Met. Angefangen mit Cristina Gallardo-Domâs als Cio-Cio-San hat sich die nach wie vor erfolgreichste Produktion des Hauses als wahre Primadonnen-Schmiede entpuppt und...
