Etwas zahnlos
Ein Lob vorweg: In der Neuproduktion von Kurt Weills und Bertolt Brechts «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Griechischen Nationaloper sind alle acht Solisten sowie vier der sechs Chorus-Mädchen Einheimische. Ihre Diktion des Deutschen ist durchweg gut, im Fall von Anna Agathonos als Witwe Begbick sogar geschliffen – und auch der durch Agathangelos Georgakatos mit hörbarer Sorgfalt vorbereitete Chor irritiert beziehungsweise amüsiert nur ausnahmsweise mit exotischen Aussprachen.
Ein Tadel gleich hinterdrein: Die schlechte Akustik macht diese löblichen Bemühungen weitgehend zunichte. Insbesondere im ersten Akt tönen die Sänger, als stünden sie in den Kulissen: Ihre Stimmchen umgibt ein halliger Halo, das Gros der Konsonanten schluckt ein gefräßiger Watteteppich. Dieses Defizit raubt der Aufführung Entscheidendes an Präsenz.
Liegt es hieran, dass das Sängerensemble, Solisten wie Chorsänger, insgesamt wenig Profil gewinnt? Das Gründertrio der Goldstadt trägt durchaus individuelle Züge: Begbick eine «Pique Dame»-Gräfin, die im Wilden Westen Salon hält, Fatty (Christos Kechris) ein frettchenhafter Lude mit pomadisiertem Mafioso-Tenortimbre, Drei -einigkeitsmoses (Tassos ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Marc Zitzmann
Sein «Zar und Zimmermann» ging seit 1837 über 30 deutsche Bühnen. Berauscht vom Erfolg, schrieb Lortzing den «Hans Sachs», der 1840 in Leipzig aus Anlass des 400-jährigen Jubiläums der Buchdruck-Erfindung uraufgeführt wurde. Seine Heimatstadt Berlin hätte sich für solch demagogischen Unfug nicht hergegeben und behandelte ihn ohnehin schäbig. Sachsen hingegen...
Donizettis Tudor-Trilogie hat Konjunktur: Die Opernhäuser in Genf und Zürich haben sie unlängst produziert, in Brüssel lief ein Pasticcio-Doppelabend sogar aus vier Donizetti-Opern, die um die erste langlebige Königin Elisabeth Englands kreisen – mit Material aus «Il castello di Kenilworth». In Zürich stand Enrique Mazzola am Pult, der nun mit «Roberto Devereux»...
Was einigen Experten als geistloses «Nebenprodukt» des großen Richard Strauss erscheinen mag, darf bei genauerem Hören und Sehen, wie jetzt durch Tobias Kratzers aufgeklärte Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin beglaubigt, durchaus Relevanz beanspruchen – als Kreation des autofiktionalen Sarkasmus eines Komponisten, der das Libretto zu seinem 1924 in Dresden...
