Leerstellen
Es kann ein Wagnis für die Regisseurin sein, dem Publikum vorab ihre Sicht auf das inszenierte Stück mitzuteilen, muss man sich dann doch an der eigenen Absicht messen lassen. Monique Wagemakers ging das Risiko ein. «Wir erzählen die Geschichte aus der Perspektive von Siegmund, Sieglinde, Brünnhilde und den Walküren, den Kindern Wotans», wird sie im Programmheft zitiert. Diese Vorgeschichte, so Wagemakers, sei «konzeptioneller Ausgangspunkt unserer Produktion, der sich auch im Bühnenbild niederschlägt: So ist die Materialität des Raumes verbranntes Holz».
Versprechungen solcher Art führen zu Erwartungen. Leider konnte die Regisseurin diese mit ihrer Lesart der «Walküre» nicht erfüllen.
Das Theater Chemnitz will mit seinem «Ring»-Zyklus die «weibliche Sicht» auf Wagners Tetralogie zeigen; vier Regisseurinnen inszenieren. Den Anfang machte Verena Stoiber mit ihrer konsumkritischen Deutung des «Rheingold»: unverkrampft, frisch und voller Ideen. Wagemakers hingegen scheint die zündende Idee zu fehlen – oder sie kann sie nicht umsetzen. Um ihre Intentionen zu vermitteln, reicht es nicht, wenn im ersten Akt einmal ein Kinderpaar – Siegmund und Sieglinde – im Hintergrund auftaucht oder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Nora Sophie Kienast
Zum ersten Mal wurde in Russland eine Oper von Jean Baptiste Lully aufgeführt. Und weder Kritiker noch Publikum waren erstaunt, dass dieses Ereignis nicht in einer der beiden Opernhauptstädte stattfand, sondern in Perm, im Reich Teodor Currentzis’ (als Koproduktion mit der Opéra Royal du Château de Versailles). Dort haben schon Peter Sellars und Robert Wilson...
Auf Mark Wigglesworths Pult liegt John Tyrrells 2017 erschienene kritische Neuedition von Janáčeks letzter Oper «Aus einem Totenhaus». In der Ouvertüre schlagen die hohen Violinen weniger nervös aus als etwa bei Charles Mackerras: Wigglesworth scheint darauf bedacht, das beinahe kammermusikalisch agierende Orchester bewusst dicht zu führen, um den von Janáček in...
«Ich bin von Waberlohe umgeben», ruft Donald Duck in der deutschen Übersetzung eines seiner Comic-Abenteuer. Wieland Wagner soll ja auch mal daran gedacht haben, dem «Ring» eine Disney-Ästhetik zu verpassen, legitimiert wohl vom Großvater und dessen Satz «Kinder, macht Neues». Freilich war Letzterer eigentlich eine Aufforderung an Komponistenkollegen, lieber Neues...
