Leerstellen
Es kann ein Wagnis für die Regisseurin sein, dem Publikum vorab ihre Sicht auf das inszenierte Stück mitzuteilen, muss man sich dann doch an der eigenen Absicht messen lassen. Monique Wagemakers ging das Risiko ein. «Wir erzählen die Geschichte aus der Perspektive von Siegmund, Sieglinde, Brünnhilde und den Walküren, den Kindern Wotans», wird sie im Programmheft zitiert. Diese Vorgeschichte, so Wagemakers, sei «konzeptioneller Ausgangspunkt unserer Produktion, der sich auch im Bühnenbild niederschlägt: So ist die Materialität des Raumes verbranntes Holz».
Versprechungen solcher Art führen zu Erwartungen. Leider konnte die Regisseurin diese mit ihrer Lesart der «Walküre» nicht erfüllen.
Das Theater Chemnitz will mit seinem «Ring»-Zyklus die «weibliche Sicht» auf Wagners Tetralogie zeigen; vier Regisseurinnen inszenieren. Den Anfang machte Verena Stoiber mit ihrer konsumkritischen Deutung des «Rheingold»: unverkrampft, frisch und voller Ideen. Wagemakers hingegen scheint die zündende Idee zu fehlen – oder sie kann sie nicht umsetzen. Um ihre Intentionen zu vermitteln, reicht es nicht, wenn im ersten Akt einmal ein Kinderpaar – Siegmund und Sieglinde – im Hintergrund auftaucht oder ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Nora Sophie Kienast
Bett-Szenen haben in der Oper viele Gesichter. Erotik kann dabei eine Rolle spielen, muss aber nicht. Wenn ja, dann ist es um die Beziehung nicht wirklich gut bestellt: Sie geht über Leichen (Poppea und Nerone), dient als Mittel zum Zweck (Samson und Dalila), hat mit Ausweglosigkeit zu tun (Katerina und Sergei), ist am Zerbröseln (Marie Theres’ und Octavian),...
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar...
Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde. Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in...
