Rückfall
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar nicht heraus aus dem Œuvre. Da wäre zum Beispiel die starke, zerrissene Vaterfigur des Montfort, ein Verwandter Germonts und Philipps.
Oder das Hineintreiben der Figuren in Extremsituationen, in denen der emotionale (und selten bewältigte) Ausnahmezustand wichtiger wird als Stringenz und Logik. Eine fast laborhafte Dramaturgie also, die im Augenblick des Konflikts ihre höchste Dramatik findet – nicht anders funktionieren «Il trovatore» und «La forza del destino».
Die Voraussetzung freilich: Der Regisseur muss sich diesen Kraftfeldern, ihren immer neuen, auch ruckhaften Ausrichtungen stellen. An der Bayerischen Staatsoper sieht man anderes. Es ist ein Rückfall in den dort gern gepflegten Inszenierungsstil, der sich in Garnierung, im Finden eines ästhetischen, durchaus ambitionierten Rahmens erschöpft. Für Antú Romero Nunes ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Markus Thiel
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Am Ende gibt es Kusshände fürs Publikum. Jens-Daniel Herzog wirft sie auch jenen zu, die laute Buhs in Richtung Bühne brüllen, zeigen sie doch, dass er mit seiner Inszenierung zumindest wieder eine Reaktion erzwingen konnte bei seinen Dortmundern. Nach sieben Jahren Opernintendanz wechselt Herzog zur kommenden Spielzeit ans Staatstheater Nürnberg. Was von ihm im...
Vor einem halben Jahrhundert sind zwei Aufnahmen von romantischen Wagner-Opern entstanden, die den Stempel zweier großer Dirigenten tragen. Rudolf Kempe stand 1967 bei den Bayreuther Festspielen in «Lohengrin» am Dirigentenpult, Otto Klemperer leitete im Jahr darauf in den Londoner Abbey Studios eine Produktion des «Fliegenden Holländers».
Kempe, der im ersten...
