Rückfall

Verdi: Les Vêpres siciliennes
München | Bayerische Staatsoper

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«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres sici­liennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar nicht heraus aus dem Œuvre. Da wäre zum Beispiel die starke, zerrissene Vaterfigur des Montfort, ein Verwandter Germonts und Philipps.

Oder das Hineintreiben der Figuren in Extremsituationen, in denen der emotionale (und selten bewältigte) Ausnahmezustand wichtiger wird als Stringenz und Logik. Eine fast laborhafte Dramaturgie also, die im Augenblick des Konflikts ihre höchste Dramatik findet – nicht anders funktionieren «Il trovatore» und «La forza del destino».

Die Voraussetzung freilich: Der Regisseur muss sich diesen Kraftfeldern, ihren immer neuen, auch ruckhaften Ausrichtungen stellen. An der Bayerischen Staatsoper sieht man anderes. Es ist ein Rückfall in den dort gern gepflegten Inszenierungsstil, der sich in Garnierung, im Finden eines ästhetischen, durchaus ambitionierten Rahmens erschöpft. Für Antú Romero Nunes ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Markus Thiel

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