Eine Umkehrung ist eine Umkehrung
Bett-Szenen haben in der Oper viele Gesichter. Erotik kann dabei eine Rolle spielen, muss aber nicht. Wenn ja, dann ist es um die Beziehung nicht wirklich gut bestellt: Sie geht über Leichen (Poppea und Nerone), dient als Mittel zum Zweck (Samson und Dalila), hat mit Ausweglosigkeit zu tun (Katerina und Sergei), ist am Zerbröseln (Marie Theres’ und Octavian), käuflich (Jenny und Jim) oder brutal erzwungen (Lucretia und Tarquinius).
Oft bleibt das Bett einsamen Menschen vorbehalten, die bald sterben müssen (Violetta), zumindest an schweren Krankheiten leiden (Amfortas) oder diese vorgeben (Gianni Schicchi). Mitunter können sie im Wachkoma liegen wie Michaela (bei Georg Friedrich Haas). Liebe wird in der Oper nicht im Bett besungen, sondern auf dem Schafott, in ägyptischen Todeskammern, barocken Irrgärten oder einfach auf dem Weg ins Jenseits, womit bekanntlich alles begann. Erotik findet im Kopf statt («Così fan tutte», «Salome», «Billy Budd»). Eine der wenigen Opern, in denen ein Bett aktiv mitspielt, dürfte «Le nozze di Figaro» sein. Dass wir uns im Laufe der Jahre an Betten gewöhnt haben, die oft in Nervenheilanstalten stehen und von Regisseuren erfunden wurden, ist eine andere ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Stephan Mösch
Herkulesaufgabe? Sisyphusarbeit? Man darf sich in der Beschreibung von Christian Merlins Jubiläumsgabe zur 175. Wiederkehr des Geburtstags der Wiener Philharmoniker durchaus aus dem Mythos der Antike bedienen. Natürlich könnte man auch Goethe zitieren: «Nur das Leichtere trägt auf leichten Schultern den Schöngeist. Aber der schöne Geist trägt das Gewichtige leicht...
Am Anfang ist das dunkle, kalte Nichts. Der leere Raum vor schwarzglänzenden Brandschutzmauern. Nach funkelnder Operette sieht es kaum aus. Und das wird sich zunächst auch nicht ändern. Denn von der Seite schiebt sich ein Thespiskarren mit der Aufschrift «Varieté Vanitas» herein, gezogen von einem puttogleichen Wesen (Rüdiger Frank). Cupido ist’s, aber er ist nicht...
So machen’s nicht alle, aber viele. Und natürlich nicht nur Frauen, weswegen der Titel «Così fan tutte» als genderpolitisch heikel gilt. Aber auch «Così fan tutti» würde nicht jede(n) befriedigen, ist doch das «i», das für alle Menschen steht, männlich. Eine Diskussion darüber wäre freilich heute obsolet, denn «Così» spiegelt, wie der Regisseur Joachim Herz einmal...
