Eine Umkehrung ist eine Umkehrung
Bett-Szenen haben in der Oper viele Gesichter. Erotik kann dabei eine Rolle spielen, muss aber nicht. Wenn ja, dann ist es um die Beziehung nicht wirklich gut bestellt: Sie geht über Leichen (Poppea und Nerone), dient als Mittel zum Zweck (Samson und Dalila), hat mit Ausweglosigkeit zu tun (Katerina und Sergei), ist am Zerbröseln (Marie Theres’ und Octavian), käuflich (Jenny und Jim) oder brutal erzwungen (Lucretia und Tarquinius).
Oft bleibt das Bett einsamen Menschen vorbehalten, die bald sterben müssen (Violetta), zumindest an schweren Krankheiten leiden (Amfortas) oder diese vorgeben (Gianni Schicchi). Mitunter können sie im Wachkoma liegen wie Michaela (bei Georg Friedrich Haas). Liebe wird in der Oper nicht im Bett besungen, sondern auf dem Schafott, in ägyptischen Todeskammern, barocken Irrgärten oder einfach auf dem Weg ins Jenseits, womit bekanntlich alles begann. Erotik findet im Kopf statt («Così fan tutte», «Salome», «Billy Budd»). Eine der wenigen Opern, in denen ein Bett aktiv mitspielt, dürfte «Le nozze di Figaro» sein. Dass wir uns im Laufe der Jahre an Betten gewöhnt haben, die oft in Nervenheilanstalten stehen und von Regisseuren erfunden wurden, ist eine andere ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Stephan Mösch
Ein französischer Komponist aus der Zeit Ludwigs XIV., dessen Name nicht geläufig ist – das macht zumindest neugierig. Umso mehr, als der selbst im Bielefelder Katalog kaum vertretene Nicolas Bernier (1665-1734) hier mit Kammerkantaten vorgestellt wird, deren Meisterwerke von Campra über Clérambault bis zu Montéclair und Rameau bekannt sind und in zahllosen...
Sie gilt als Spezialistin für extreme Rollen, für dämonische, gefallene, verratene Heldinnen, für Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Abseits der Bühne erweist sich die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als eine außerordentlich reflektierte Persönlichkeit – mit außergewöhnlichen Ansichten. Ein Gespräch über Männer, das Leben, die Liebe, den Tod – und...
Benedikt von Peter ist Herr über ein Haus mit den Ausmaßen einer Puppenstube, aber er denkt gar nicht daran, deshalb kleine Brötchen zu backen. Seine Intendanz in Luzern hat bislang ein Theater produziert, das sich nicht einsperren lässt, sondern die Stadt konsequent in Besitz nimmt, sich einmischt und mit kühnen Ideen Gehör verschafft statt mit Krawall und Getöse....
