Eine Umkehrung ist eine Umkehrung
Bett-Szenen haben in der Oper viele Gesichter. Erotik kann dabei eine Rolle spielen, muss aber nicht. Wenn ja, dann ist es um die Beziehung nicht wirklich gut bestellt: Sie geht über Leichen (Poppea und Nerone), dient als Mittel zum Zweck (Samson und Dalila), hat mit Ausweglosigkeit zu tun (Katerina und Sergei), ist am Zerbröseln (Marie Theres’ und Octavian), käuflich (Jenny und Jim) oder brutal erzwungen (Lucretia und Tarquinius).
Oft bleibt das Bett einsamen Menschen vorbehalten, die bald sterben müssen (Violetta), zumindest an schweren Krankheiten leiden (Amfortas) oder diese vorgeben (Gianni Schicchi). Mitunter können sie im Wachkoma liegen wie Michaela (bei Georg Friedrich Haas). Liebe wird in der Oper nicht im Bett besungen, sondern auf dem Schafott, in ägyptischen Todeskammern, barocken Irrgärten oder einfach auf dem Weg ins Jenseits, womit bekanntlich alles begann. Erotik findet im Kopf statt («Così fan tutte», «Salome», «Billy Budd»). Eine der wenigen Opern, in denen ein Bett aktiv mitspielt, dürfte «Le nozze di Figaro» sein. Dass wir uns im Laufe der Jahre an Betten gewöhnt haben, die oft in Nervenheilanstalten stehen und von Regisseuren erfunden wurden, ist eine andere ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Stephan Mösch
Als Skandalon geht Oscar Wildes 1891 erschienener Einakter über die rätselhaft-maßlose Prinzessin von Judäa heute kaum mehr durch; erst recht nicht die 14 Jahre später in Dresden uraufgeführte Opernadaption von Richard Strauss. Und doch bleibt der «Salome»-Stoff, die exaltierte emotionale Energie dieser schäumenden Geschichte, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts...
Herr Mehta, Sie sind als Sänger seit fast 20 Jahren im Geschäft, damit gehören Sie inzwischen zu den dienstältesten Countertenören. Wie geht es Ihnen momentan?
Die Stimme läuft besser denn je, und meine Körperspannung ist in sehr guter Balance. Dadurch kann ich übrigens auch besser entspannen. Und durch Entspannung kommen mehr Farben in die Interpretation und in die...
«Diese Bilderbuchkarrieren, gibt’s die überhaupt?», fragte Doris Soffel im Gespräch mit «Opernwelt» einmal (siehe OW 9-10/2015). Ihre Antwort: «Nein! Es gibt nur Zickzack.» Mit entwaffnender Offenheit sprach da eine Mezzosopranistin, die vom Koloraturfach kommt, ihren internationalen Durchbruch nach neun Stuttgarter Ensemblejahren als Sesto in Mozarts «Tito»...
