Tänzeln und Tanzen

Weinberger: Schwanda, der Dudelsackpfeifer
Gießen | Stadttheater

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Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde.

Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in diesem sensualistisch-folkloristischen Pandämonium ins Bizarre gesteigert, als arrangiere sich nationalkultureller Enthusiasmus zum Totentanz; zugleich herrscht in der traumselig-hundertstimmigen Partitur (gleichsam einem dauertrunkenen Reger-Tonfall) die Wonne einer kalkulierten Naivität, symbolisch konzentriert um den getragen-gravitätischen Dreivierteltakt-Ohrwurm «Auf unserm Hof daheim», der wie eine geheim allgegenwärtige Essenz das ganze pralle Musikgeschehen durchwürzt. Vielleicht sind es die Momente von Uneigentlichkeit, demonstrativem Déjà-vu, ja parodistischer Unverschämtheit gegenüber dem Ges­tus der seriösen böhmischen Nationaloper («Libussa», «Dalibor»), die «Schwanda» für die tschechische Rezeption bis heute eher verdächtig sein lässt – Furore machte auf Initiative Max Brods die deutschsprachige Version.

Ihr ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Hans-Klaus Jungheinrich

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