Tänzeln und Tanzen
Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde.
Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in diesem sensualistisch-folkloristischen Pandämonium ins Bizarre gesteigert, als arrangiere sich nationalkultureller Enthusiasmus zum Totentanz; zugleich herrscht in der traumselig-hundertstimmigen Partitur (gleichsam einem dauertrunkenen Reger-Tonfall) die Wonne einer kalkulierten Naivität, symbolisch konzentriert um den getragen-gravitätischen Dreivierteltakt-Ohrwurm «Auf unserm Hof daheim», der wie eine geheim allgegenwärtige Essenz das ganze pralle Musikgeschehen durchwürzt. Vielleicht sind es die Momente von Uneigentlichkeit, demonstrativem Déjà-vu, ja parodistischer Unverschämtheit gegenüber dem Gestus der seriösen böhmischen Nationaloper («Libussa», «Dalibor»), die «Schwanda» für die tschechische Rezeption bis heute eher verdächtig sein lässt – Furore machte auf Initiative Max Brods die deutschsprachige Version.
Ihr ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Hans-Klaus Jungheinrich
Als Skandalon geht Oscar Wildes 1891 erschienener Einakter über die rätselhaft-maßlose Prinzessin von Judäa heute kaum mehr durch; erst recht nicht die 14 Jahre später in Dresden uraufgeführte Opernadaption von Richard Strauss. Und doch bleibt der «Salome»-Stoff, die exaltierte emotionale Energie dieser schäumenden Geschichte, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts...
Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...
Was für eine Inkubationszeit! «Ein Traumspiel», die erste Oper von Aribert Reimann, wurde 1965 in Kiel uraufgeführt (dirigiert von Michael Gielen). Erst 22 Jahre später – der «Lear» war längst ein Erfolg – kam das Stück wieder auf die Bühne, diesmal in Wiesbaden. Noch einmal drei Jahrzehnte später erlebt es nun seine dritte Produktion – am Theater Hof, was einfach...
