Tänzeln und Tanzen
Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde.
Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in diesem sensualistisch-folkloristischen Pandämonium ins Bizarre gesteigert, als arrangiere sich nationalkultureller Enthusiasmus zum Totentanz; zugleich herrscht in der traumselig-hundertstimmigen Partitur (gleichsam einem dauertrunkenen Reger-Tonfall) die Wonne einer kalkulierten Naivität, symbolisch konzentriert um den getragen-gravitätischen Dreivierteltakt-Ohrwurm «Auf unserm Hof daheim», der wie eine geheim allgegenwärtige Essenz das ganze pralle Musikgeschehen durchwürzt. Vielleicht sind es die Momente von Uneigentlichkeit, demonstrativem Déjà-vu, ja parodistischer Unverschämtheit gegenüber dem Gestus der seriösen böhmischen Nationaloper («Libussa», «Dalibor»), die «Schwanda» für die tschechische Rezeption bis heute eher verdächtig sein lässt – Furore machte auf Initiative Max Brods die deutschsprachige Version.
Ihr ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Hans-Klaus Jungheinrich
Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...
Schon das erste Bild fasziniert in seiner suggestiven Erzählkraft: Das vielfach verflochtene Schicksalsseil der Nornen hängt, den gesamten Hintergrund ausfüllend, in zwei riesigen Knoten aus dem Schnürboden herab. Ein gelungener Entwurf der für das Bühnenbild zuständigen japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota – klar in der Optik,...
Glaubt man dem Klappentext, zeigt sich Benjamin Godard in seiner Dante-Oper «auf dem Gipfel melodischer Inspiration und kompositorischer Meisterschaft, in einem Stil, der Gounod erneuert und den Vergleich mit Massenet nicht zu scheuen braucht». Das sah die zeitgenössische Kritik anders. Camille Bellaigue zeterte: «Ihr, die ihr in die Opéra-Comique eintretet, lasst...
