Leerlauf in Metropolis
Der Schluss von Mozarts «Idomeneo» ist eine Herausforderung: Was tun mit einer Musik, die einfach weiterspielt, obwohl das Lieto fine längst erreicht ist? Dass die Ballettmusik, die bei der Münchner Uraufführung 1781 vom Fest auf der Bühne zum anschließenden Fest im Saal überleiteten sollte, weit mehr sein kann als ein bloßer Wurmfortsatz, weiß man spätestens seit Hans Neuenfels’ Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin.
Dort vollzog der abgedankte Kreterkönig zu diesen Klängen seine Abrechnung mit den alten Göttern: Während die andern feierten, präsentierte Idomeneo dem Publikum die abgeschlagenen Köpfe von Jesus, Mohammed und Co. als Sinnbilder der alten, gnadenlosen Ordnung.
Von solch genialischer Bilderstürmerei ist Olivier Py in Aix-en-Provence weit entfernt. Im Theatre de l’Archeveché ist das (vollständig gespielte) Ballett kaum mehr als ein Abspann. Eine Handvoll Tänzer wiederholt im pantomimischen Kurzdurchlauf, was man in den drei Stunden zuvor erfahren hat: dass Idomeneo offenbar schwer an der Last seiner Königskrone trägt, dass die Atridenprinzessin Elettra eine ziemliche Megäre ist; und dass sich mit Ilia und Idamante ein glückliches Paar gefunden hat. Sonst nichts, ...
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