Aus der Distanz

Simon Rattle und Wagner – das bleibt ein problematisches Verhältnis: Beim Festival in Aix-en-Provence hat der Dirigent mit «Götterdämmerung» nun den «Ring»-Zyklus der Berliner Philharmoniker abgeschlossen

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Krisenstimmung bei den Berliner Philharmonikern: Da bieten die Musiker und ihr Chefdirigent Simon Rattle im Stammhaus ein «Best of» aus Richard Wagners «Götterdämmerung» an – und eine Woche vor dem Konzert sind erst 80 Prozent der Tickets verkauft! Wo sich andere Orchester entspannt zurücklehnen, beginnen die Philharmoniker zu grübeln.

Wie erklärt sich die Zurückhaltung des Publikums, gerade in ­einer Wagner-Hochburg wie Berlin? Liegt es an den durchwachsenen Kritiken, die seit 2006 das groß angelegte «Ring»-Projekt des Orchesters in Aix-en-Provence und bei den Salzburger Osterfestspielen begleiten? Traut man dem Konzertorchester nicht zu, bis an jene emotionalen Grenzen vorstoßen zu können, die dieses Finale der Tetralogie so erschütternd machen?
Am 28. Mai, dem Abend des «Götterdämmerungs»-Querschnitts, sind dann zwar – den Hauptstadttouristen sei dank – alle Plätze in der Philharmonie besetzt, aber die Skeptiker behalten Recht. Wer bei dieser «Entdeckungsreise» (Rattle) ins Innere des Wagner’schen Musikdramas bisher das Mystisch-Abgründige vermisst hat, wird auch diesmal enttäuscht, vor allem, weil Rattle die Leitmotive nicht nutzt, um eine autonome orchestrale Erzählebene zu ...

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Opernwelt August 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Frederik Hanssen

Vergriffen
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