Leben, leiden, lernen
Der 62-jährige Manfred Trojahn kann mit einigem Recht als typischer Vertreter der deutschen «Literaturoper» apostrophiert werden, wie sie die um eine Generation älteren Komponisten Hans Werner Henze, Giselher Klebe oder Aribert Reimann praktizier(t)en. Da mit Claus H.
Henneberg (der für ihn Pirandellos «Enrico» bearbeitete) und Christian Martin Fuchs (der das Libretto für die in Dresden uraufgeführte Eduardo de Filippo-Oper «La grande magia» schrieb) zwei seiner wichtigsten literarischen Mitarbeiter tot sind, entschloss sich Trojahn, seine neue Oper «Orest», eine Auftragsarbeit für die Nederlandse Opera in Amsterdam, selbst zu textieren. Dafür fehlte es ihm nicht an sprachlicher Verve. Die Anregung zu dem Sujet ging übrigens von dem Hannoveraner Intendanten Matthias Klügl aus, der Trojahns neues Stück als zweites Theater in der nächsten Spielzeit herausbringen will.
Die Familie als Hort von Unheil – dieses Thema, an dem sich der Großteil der dramatischen Weltliteratur nährt, gibt auch den Atriden-Tragödien gehörigen Stoff. Nicht um die im Winckelmann-Zeitalter besonders beliebte (und für die damalige Oper von Gluck adaptierte) Iphigenie und ihre Menschenopfer-Motivik geht es in ...
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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich
Der Theatertod geht um. Wie an vielen mittleren und kleineren Häusern hat auch in Bonn das Theater mit finanziellen Kürzungen zu kämpfen, die seine Existenz bedrohen. Nachdem der städtische Zuschuss zwischen 2000 und 2010 bereits von 41,1 Millionen auf 25,7 Millionen Euro abgesenkt worden war, kürzt die Stadt die Subventionen ab 2013 nochmals um 3,5 Millionen Euro...
Hector Berlioz hat sechs Lieder auf Texte von Théophile Gautier unter dem Titel «Les Nuits d’été» zum Zyklus zusammengefügt und zunächst für (mehrere!) Singstimmen und Klavier komponiert, dann erst orchestriert. Die Orchesterfassung hat sich letztlich durchgesetzt, da Berlioz ein großer Klangfarbenzauberer war und zum Klavier eine eher gestörte Beziehung hatte....
Wenn Madame hereingeschoben wird, ist die Wuppertaler Opernbühne schon fast voll. Knapp unter der Portalkante schwebt ihr zierlicher Kopf, ragt gerade noch sichtbar aus der tiefblauen Riesenrobe heraus, die ihr die Aura einer fernen Königin der Nacht verleiht. Doch diese wunderliche Majestät wünscht niemandem der Hölle Rache an den Hals, sie erzählt vielmehr eine...
